Tablets sind kein Laptop-Ersatz

Ich befand mich auf der Internet-Konferenz re:publica, saß zwischen vielen Menschen und lauschte einem Redner, der vor uns auf der Bühne zu einem interessanten Thema sprach. Neben mir saß ein Herr, um die sechzig Jahre alt, auf dem Schoß ein 12,9 Zoll großes iPad Pro, das unsicher auf seinen Oberschenkeln hin und her wackelte. In der Hand hielt er den Apple Pencil, ein teurer und edler Eingabestift, mit dem er wild auf dem Display seines großen iPads herumfuchtelt. Mein Sitznachbar war eindeutig überfordert. Das iPad war zu groß und das Schreiben auf dem Schoß zu wackelig. Dann zückte er auch noch sein Smartphone und grummelte verärgert vor sich hin als er bemerkte, dass dieses sich mit dem Apple Pencil nicht bedienen ließ.

Nur wenige Tage später beobachte ich eine weitere Szene. In einem Café saß eine junge Frau, vor sich auf dem Tisch ein Samsung Tablet und eine GoPro. Ich hörte, wie sie leise schimpfte. Genervt zischte sie ihr Tablet an und fragte, warum die Filmbearbeitungs-App auf Ihrem Tablet nicht so umfangreich ist, wie die Filmbearbeitungssoftware auf Ihrem PC im Büro. Und warum nicht genügend Platz vorhanden sei, um all ihre gedrehten Filmclips auf das Tablet zu übertragen.

Beiden wollte ich die selbe Antwort geben: „Dein Tablet ist für Deinen Anwendungszweck nicht wirklich gut geeignet! Du benutzt eindeutig das falsche Gerät!“.

Welches Tablet für welchen Zweck?

Immer wieder stoße ich im Alltag auf Situationen, in denen Menschen mit einem Computer arbeiten, der nicht die beste Wahl ist. Nicht jeder Computer ist für jeden Einsatz und Zweck geeignet! Und nur weil ein Computer teuer ist, muss er nicht für jede Gelegenheit das richtige Arbeitsgerät sein.

Gerade die großen iPad Pros begegnen mir häufig in Situationen, in die sie nicht gehören. Manchmal kommt es mir so vor, als ob dieses riesige Tablet nur gekauft wurde, weil es schick und teuer ist und der Besitzer glaubte, damit nicht nur das Beste gekauft zu haben, sondern auch ein unübersehbares Prestige-Objekt zu besitzen, das mit neidischen Blicken von der Außenwelt wahrgenommen wird. Das riesige Apple-Tablet kostet immerhin mindestens 899 Euro, der passende Apple Pencil noch einmal 99 Euro und die meisten müssen sich dazu noch eine schicke Lederumhängetasche kaufen, um das gigantisch große iPad auch noch stilgerecht transportieren zu können. Und schon liegt der Anschaffungspreis bei über tausend Euro. Sehr viel Geld für ein Tablet!

Dabei ist das große iPad Pro gerade für Menschen, die einen mobilen Computer brauchen, sehr unpraktisch. Denn auf dem Schoß bei Vorträgen oder vor sich auf einem kleinen Klapptisch im Flugzeug ist das 2,9 Zoll iPad einfach zu groß und zu unhandlich. Und wer das Gerät als Laptop-Ersatz nutzen möchte, der braucht dann auch noch ein Smart Keyboard, um auf einer Tastatur arbeiten zu können und muss noch einmal 189 Euro berappen. Und hat dennoch nicht alle Funktionen, die ein Laptop bieten würde. Da macht es wirklich Sinn gleich ein Laptop zu kaufen! Aber für wen ist das große iPad Pro dann dann gedacht? Die Antwort ist einfach: Das gigantische iPad ist vor allem für Grafiker und Illustratoren interessant. Für die ist der große und brillante Bildschirm, die fehlende Tastatur und der Apple Pen ideal, um ihre Ideen perfekt umzusetzen.

Ein Tablet ist kein Laptop

Tablets sind handliche, abgespeckte Computer für unterwegs. Sie sind leicht, liegen gut in der Hand und kommen ohne viel Schnickschnack aus. Zudem lassen sich ohne zusätzliche Geräte, wie Tastatur oder Maus, auch auf engstem Raum bedienen und benutzen. Das ist sehr praktisch, wenn man unterwegs ist und nicht überall Zeit und Platz hat, einen größeren Computer aufzubauen, eine Maus anzustecken und Stromstecker zu suchen. Auch als Buchersatz abends im Bett, Unterhaltungsmaschine auf der Couch oder Kochhilfe in der Küche, ist ein Tablet der ideale Begleiter. Wer allerdings umfangreiche Dokumente anfertigen oder lange E-Mail-Kommunikationen führen möchte, der ist mit einem Laptop mit einer echten, physischen Tastatur meist besser beraten. Auch wer viel Speicherplatz benötigt, sollte unbedingt auf ein Laptop zurückgreifen, denn dieses bietet deutlich mehr Speicherplatz als ein Tablet. Auch gibt es nicht jede Software auf einem Tablet, und wenn doch, ist diese höchstwahrscheinlich nicht so umfangreich, wie die Versionen für Laptops und Desktop-Computer. Wer auf den vollen Funktionsumfang einer bestimmten Software angewiesen ist, der sollte nicht zum Tablet, sondern zum Laptop greifen.

Laptop vs. Tablet

Wer sich einen neuen, mobilen Computer anschaffen möchte, sollte sich genau überlegen, für welchen Zweck dieser gedacht ist. Ob Du Dich für ein Laptop oder Tablet entscheidest, solltest Du davon abhängig machen, für was Du das Gerät am meisten einsetzen möchtest. Dann hast Du auch Freude an Deinem Gerät und musst nicht mehr Geld ausgeben als nötig.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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