Republica 2012 Tag 3 – Ein Resümee

Freitag war der letzte Tag der Internet-Konferenz re:publica. Und es standen noch einmal echte Highlights auf dem Programm! Und wie ich es die letzten Tage bereits getan habe, präsentiere ich Euch auch heute wieder meine Eindrücke:

Blogvermarktung

Als Bloggerin interessiere ich mich natürlich für Tipps in Sachen Blogvermarktung. Allerdings muss ich sagen, dass ich Werbung auf Blogs ein wenig gespalten gegenüberstehe. Ich bin der Meinung, als BloggerIn sollte man sich schon sehr genau überlegen, ob man Werbung auf seiner Webseite platzieren möchte, welche Art von Werbung das ist und wie sehr diese die Optik des Blogs verändert. Und ich empfehle Bloggern mit dem Thema Werbung transparent umzugehen und keine Schleichwerbung zu machen – das ist nicht nur illegal, sondern verärgert auch die eigene Leserschaft! Zu dem Thema sprachen gestern Jörg Blumtritt (Forschungschef der größten deutschen Mediaagentur mediacom), René Walter (Blogger von nerdcore), Vasco Sommer-Nunes (Mitbegründer der mokono GmbH, blog.de) und Nico Lumma (Blogger von lumma.de). Da Herr Blumtritt und Herr Sommer-Nunen damit Geld verdienen, Werbung auf Blogs zu schalten, stehen beide dem Thema natürlich sehr positiv gegenüber. Ist der Blog gut geschrieben, relevant und erzielt auch eine gewisse Reichweite, dann lässt sich mit Bannern, Produkt-Rezensionen, Affiliate und ähnlichen Blog-Werbeformen ein kleines bis großes Zubrot verdienen. Keine neue Erkenntnis, aber die Thematik auf den Punkt gebracht. Die schwarzen Schafe der Werbeindustrie, die uns Blogger wöchentlich anschreiben und uns unmoralische Angebote machen, wurde allerdings von den Rednern nicht erwähnt. Auf Nachfrage hieß es schlicht und einfach: „Dann lasst Euch nicht verarschen und nehmt solche Angebote nicht an!“. Ob wirklich jeder Blogger da draußen die Masche dieser schwarzen Schafe gleich durchschaut und sich nicht mit den scheinbar attraktiven Angeboten ködern lässt, bezweifle ich ein wenig. Dann gab es noch den Tipp, dass sich mehr Blogger bei AGOF anmelden sollen, damit wir für die Agenturen interessanter werden. Das werde ich mir die Tage mal ansehen.

Copyriots! Der Kampf der Kulturen

Am Vormittag gab es eine interessante Diskussionsrunde zum derzeit heiß diskutierten Thema Urheberrecht, moderiert von Johnny Haeusler (Blogger von Spreeblick und Mitveranstalter der re:publica). Es diskutierten Conrad Fritzsch (Geschäftsführer vom Online-Musikfernsehsender tape.tv), Konrad von Löhneysen (Ministry of Sound), Hans Hafner (Medienkomponist) und Roxanne de Bastion (Sängerin und Songwriter). Und Anstelle eines Vertreters der Gema, die wieder einmal kurzfristig absagten, beteiligte sich noch Blogger Michael Seemann mit an der Talkrunde.
Während Löhneysen Abmahnungen bei Copyrightverletzungen für richtig hält und es provokanter Weise sogar bedauert, nicht noch mehr Geld mit dem Abnahmen verdient zu haben, glaubt Conrad Fritzsch, dass die Urheber im Internet schon bald ihr Publikum ganz ohne Marketing finden werden und dass diese eben vor allem fleißig produzieren müssen, um ihr Geld mit Musik zu verdienen – ein Bäcker könne schließlich auch nicht von nur einem einzigen gebackenen Brot leben. Sängerin Roxanne fügt hinzu, dass Musiker derzeit von großen Labels häufig ausgebeutet werden und nicht selten an Knebelverträge gebunden werden. Und Blogger Seemann sieht nur eine Lösung: das Geld muss umverteilt werden, ein bedingungsloses Grundeinkommen muss her.

The internet is people

Einen „wirren“, unterhaltsamen und guten Vortrag hielt an diesem Tag Felix Schwenzel, der seit inzwischen zehn Jahren auf wirres.net bloggt. Seine These: das Internet besteht aus Menschen! Nach den vielen Visionen der letzten Tage, wie das Internet uns verändern könnte, negativ und positiv, nach all den Gesprächen über die angeblich so virtuelle, unechte Welt des World Wide Web und dessen Gefahren, ein wirklich sympathischer Standpunkt. Wenn auch kein wirklich neuer. Technologie gehört zu unserem Leben und sie wird von Menschen benutzt. Sie macht aus uns „digital-analoge Zwitter“, eine Art „Cyborgs“. Das fängt beim Herzschrittmacher an und hört beim Internetsurfen auf. Wo ist die Grenze zwischen Realität und dem Virtuellen? Gibt es diese überhaupt?

Twitter lebe hoch!

Katie Stanton, die Vice-Präsidentin im Bereich „International market development“ von Twitter, kam dieses Jahr zum ersten Mal zur re:publica, um ordentlich die Werbetrommel für ihr soziales Netzwerk zu rühren und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Fragen wurden dann auch viele gestellt, zum Beispiel, ob in der neuen Zweigstelle von Twitter in Berlin noch Jobs zu vergeben seien. Spannend fand ich auch die Frage, ob Twitter Kauf-Interessenten habe und demnächst vielleicht von einer großen Firma geschluckt werde. Im Publikum dachten die meisten dabei wohl insgeheim an Apple, die Twitter schließlich schon tief in ihrem Betriebssystem verankert haben. Katie Stanton wand sich bei der Antwort ein wenig – sie würden ein gutes finanzielles Konzept haben, so dass sie auf einen Verkauf nicht angewiesen seien.

Interview mit dem Regierungssprecher

Tatsächlich kam der fleißig twitternde Regierungssprecher Steffen Seibert zur re:publica 2012. Dieser hat inzwischen über 58.000 Follower und ist einer der wenigen twitternden Personen unserer Regierung. Interviewt wurde er von der sympathischen Geraldine de Bastion. Und Seibert war, wie man es von einem Regierungssprecher erwartet, auch wirklich wortgewandt und schlagfertig. Auf die Frage, warum er mit dem Twit­tern an­ge­fan­gen habe, antwortete er, dass viele wichtige Institutionen twittern: „Dow­ning Street No 10, der Élysée-Palast, das Weiße Haus, der Kreml, der Vatikan – und man soll­te doch tech­nisch nicht hin­ter dem Va­ti­kan herhinken!“. Doch er bemerkte auch: „Das Netz ist nicht die Republik“. Angesprochen auf die Tatsache, dass auch Sigmar Gabriel inzwischen twittere, konterte er kess: „Als wenn das eine gute Nachricht für mich wäre!“. Die Entscheidung zu twittern hat er allerdings nicht bereut: „Ich habe unterschätzt wieviel Spaß es macht!“. Für meinen Geschmack war das Interview zwar unterhaltend, aber dennoch ziemlich glatt und unkritisch. Nur eine einzige kritische Frage kam, und zwar aus dem Publikum. Es ging um das Thema „Informationsfreiheitsgesetz“ und bezog sich wahrscheinlich auf den aktuellen Fall, dass Mathias Schindler (Projektmanager für Wikimedia Deutschland) noch immer mittels des Informationsfreiheitsgesetz versucht herauszufinden, wer als Vertreter der Bundesregierung an den ACTA-Verhandlungen teilgenommen hat. Eine wirkliche Antwort zu dieser Frage kam leider nicht. Stattdessen wurde Herrn Seibert ans Herz gelegt mit Frau Merkel zu sprechen, um sie davon zu überzeugen, nächstes Jahr selbst auf der re:publica zu erscheinen.

Abschluss

Am späten Nachmittag gesellte ich mich dann zu den vielen re:publica-Besuchern nach draußen und feierte mit allen den Abschluss der Konferenz. Ich führte interessante und sehr nette Gespräche mit Johnny und Tanja Haeussler, Claudia, Andreas, Daniel, Nicole, Dietmar, Marcus und vielen anderen sympathischen Personen. Es waren spannende, inspirierende, lustige, interessante, aber auch anstrengende drei Tage. Ein Lob an dieser Stelle auch an das re:publica-Team! Ok, es war wirklich nervig, dass es über die gesamten Tage so gut wie kein Internet gab, aber darüber kann man (dank mobilen Internet) hinwegsehen. Die Location war super, der Eintrittspreis fair, die Vorträge und Diskussionen wirklich gut, die Preise für Essen und Getränke angemessen, das Essen im Restaurant sehr lecker (besonders die Curry-Suppe… hmmm…), die Idee mit den vielen bunten Plastikstühlen zum Unter-den-Arm-klemmen-und-hinstellen-wo-man-sie-gerade-braucht einfach super – alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung! Da kann ich abschließend nur noch eines sagen: ich freue mich schon auf nächstes Jahr!

Und zum Schluss noch ein Video:

 

 

 

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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1 Antwort

  1. 7. Mai 2012

    […] Frisch gebloggt, Katharina Kokoska von der Republica 2012 […]

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