Von einem magischen Moment im Alltag

🕓 Lesezeit circa 4 Minuten

In diesem Blog schreibe ich sehr viel über das Internet, über Gadgets, Web-Fundstücke und Entwicklungen im Netz. Auch über Hasskommentare und einen fühlbaren Rechtsruck habe ich erst vor kurzem gebloggt – ein Thema, das mich in letzter Zeit sehr beschäftigt und mir tatsächlich auch Angst macht. Ein Thema, das auch in Zeitungen und TV-Talkshows derzeit viel diskutiert wird. Gerade in sozialen Netzwerken begegnet man Hass und Bösartigkeiten regelmäßig und das hinterlässt natürlich Spuren – bei uns allen. Aber auch die Liebe hinterlässt Spuren und so möchte ich Euch heute von einer Situation erzählen, die ich gestern erlebt habe und die mich tief berührt hat. Mitten ins Herz.

Eine Deutsche in Spanien

Rund 15 Jahre leben mein Mann und ich nun schon auf Gran Canaria. Als Europäerin genieße ich die Freiheit, meinen Lebensmittelpunkt frei wählen zu können und so haben wir uns in Spanien vor vielen Jahren und ohne große Hindernisse ein neues Leben aufgebaut. Es ist nicht nur das Wetter und das wunderschöne Meer vor der Tür, die uns auf diese Insel verschlagen haben. Es sind vor allem die Menschen, die hier leben, die uns durch ihre liebenswerte und offene Art schon immer begeistert haben. Ich habe hier nur sehr selten Fremdenfeindlichkeit erleben müssen, obwohl die Deutschen sich hier im Urlaub und auch als Auswanderer leider nicht immer von ihrer besten Seite zeigen. Die Canarios haben mich nie spüren lassen, dass ich ein „Guiri“ bin – ein Fremder. Im Gegenteil! Wir haben wunderbare Freunde gefunden, wurden von kanarischen Familien häufig und mit viel Herz in ihr Zuhause eingeladen und haben sehr viel Freundlichkeit und Herzlichkeit erfahren. Und auch gestern durfte ich wieder eine so besondere Erfahrung mit den Menschen hier machen, von der ich Euch gerne erzählen möchte.

Kleine Gesten, die das Herz berühren

Gestern waren wir in einem großen Elektromarkt. Unsere Waschmaschine hatte den Geist aufgegeben und wir nutzten die Gelegenheit ein Black-Friday-Schnäppchen zu machen. Die Schlange an der Kasse war allerdings sehr lang, denn viele Menschen hatten an diesem Tag der Angebote zugeschlagen und standen nun in einer langen Reihe, um ihr neues Laptop, einen modernen Staubroboter oder eben eine neue Waschmaschine zu kaufen und zu bezahlen. Auch ich habe mich in dieser Schlange eingereiht. Inzwischen bin ich im siebten Monat schwanger und mein Bauch ist nicht mehr zu übersehen. Ein Mann, der vor mir in der Schlange stand, drehte sich um und schielte auf meinen Bauch. Dann schaute er mir in die Augen, lächelte und bat mich vor ihn zu gehen. Ich lächelte zurück, denn ich fand das Angebot sehr lieb. Ich bedanke mich bei ihm, lehne aber ab, weil es mir trotz Bauch und Schwangerschaft gut geht und ich diese freundliche Geste nicht ausnutzen wollte. Er blieb hartnäckig. Ich solle doch bitte vorgehen, ich sei doch schließlich schwanger. Ich konnte es aber einfach nicht annehmen, weil es mir ja wirklich nicht schlecht ging und es sich wie vordrängeln angefühlt hätte. Wieder lächelte ich, bedankte mich und lehnte erneut ab. Nun drehte sich der nächste in der Schlange vor mir um. Und auch er bat mir an mich vorzulassen. Das sei schon ok, ich sei ja schließlich schwanger. Mit einem inzwischen schon leicht vor Scham geröteten Gesicht lehne ich erneut dankend ab und erklärte, dass es mir wirklich gut gehe und das Warten kein Problem für mich sei. Dann mischte sich als nächstes das Pärchen hinter mir ein und sprach mich an. Ich solle doch direkt an die Kasse gehen, das sein schon in Ordnung als Schwangere. Ein wenig überfordert schüttele ich den Kopf, wiederholte, dass es mir wirklich gut geht und niemand sich wegen mir Umstände machen müsse. Die Frau lächelte und sagte, dass ich genießen solle, dass sich in der Schwangerschaft alle um einen kümmern. Und dann passiert es. Sie drehte ihren Kopf und rief plötzlich laut nach vorne an die Kasse: „Die Frau hier ist schwanger. Lasst sie doch bitte vor!“. Ich riss erschrocken die Augen auf. Alle Köpfe drehten sich nach uns um. Ich schaute verlegen nach vorne und grinste leicht dümmlich, weil ich gerade nicht wusste, wie ich darauf reagieren soll. Doch der Kassierer winkte mich schon nach vorne und alle lächeln mich aufmunternd an. Ich gab mich also geschlagen bei all der Höflichkeit und der Sorge um mich als Schwangere. Mit hochrotem Kopf lief ich an der langen Schlange vorbei und murmelte immer wieder „Danke!“.

Eine schwangere Frau steht in einer Schlange an der Kasse. Und so viele Menschen nehmen das wahr, zeigen Mitgefühl und bitten sie nach vorne zu gehen. Für mich war das etwas ganz Besonderes. Auch wenn es mir unangenehm war, dass so viele Menschen sich um mich bemühten und ich unter keinen Beschwerden litt, hat mich diese Reaktion meiner Mitmenschen tief bewegt. So viele fremde Menschen zeigen so viel Herz und wollen mir ungefragt etwas Gutes tun. Welch ein Geschenk! Ich bin noch immer überwältigt.

Und es zeigt: es gibt nicht nur Hass und Gewalt in unserer Welt. Es gibt auch viele ganz wunderbare, warmherzige und mitfühlende Menschen um uns herum. Und ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben durfte. Vielleicht meint der ein oder andere Leser oder die ein oder andere Leserin, dass dies doch nur eine Kleinigkeit sei oder gar selbstverständlich. Ich halte es nicht für etwas Kleines oder Selbstverständliches. Ich weiß es sehr zu schätzen und trage diesen Moment, den ich gestern erleben durfte, im Herzen. Liebe und Mitgefühl sind so wichtig und verändern so viel in unserem Leben. Aber sie sind eben nicht selbstverständlich. Und ich hoffe, dass Euch mein Erlebnis inspiriert und daran erinnert, wie viel schöner und reicher unser Leben ist, wenn wir auch bei wildfremden Mitmenschen ein wenig mehr Herz zeigen.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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1 Antwort

  1. yvonne sagt:

    Danke dafür ❤️❤️❤️❤️

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