Interview mit dem Radiomoderator und Reiseblogger Christoph Pfaff

FRISCH GEBLOGGT SPEZIAL:
Die Zukunft der Content- und Medienindustrie
Als New-Media-Berichterstatterin begleite ich offiziell das „Flying Sparks Überflieger“-Team der Frankfurter Buchmesse 2011. Neben klassischen Blogposts erwarten Euch hier im Blog in den nächsten Wochen witzige Clips, interessante Interviews und spannende Diskussionen rund um das Thema „Flying Sparks“ & „Contentproduktion der Zukunft“.

 

Christoph Pfaff (VonUnterwegs.com)

Christoph Pfaff (VonUnterwegs.com)

Die nächsten Wochen beschäftige ich mich intensiv mit der Frage, was das Internet und die Digitalisierung für die klassischen Medien, aber vor allem auch für die zahlreichen kreativen Autoren, Komponisten und Regisseure in unserer Gesellschaft bedeutet. Die Medienlandschaft ändert sich und mit ihr auch viele Medienberufe.

Aus diesem Grund möchte ich zu diesem Thema heute gerne den Radio-Moderator und Online-Reisejournalisten Christoph Pfaff befragen, der den mutigen Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat und nun hauptsächlich als Online-Journalist seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Frisch gebloggt: Nach sechs Jahren bei delta radio hast Du Deinen Fulltime-Job gekündigt und moderierst nun nur noch sporadisch. Gleichzeitig hast Du Dich als Reiseblogger und freier Online-Journalist selbständig gemacht. Ein mutiger Schritt! Demnach musst Du ein großes Vertrauen in das Potential der neuen Medien haben.

Christoph Pfaff: Persönlich glaube ich nicht, dass die Printmedien ganz von der Bildfläche verschwinden werden. Daher arbeite ich auch nach wie vor mit klassischen Printangeboten wie Reisemagazinen oder Reiseredaktionen von Tageszeitungen zusammen. Aber eine drastische Verschiebung der Aufmerksamkeit in Richtung Online-Journalismus ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Das Potential ist groß, der Markt ist vorhanden – und es wird in naher Zukunft noch viel mehr in dieser Richtung passieren. An dieser Entwicklung möchte ich gerne teilhaben. Außerdem ist es für Blogger wie mich natürlich ein großer Luxus, sich mit einem eigenen Produkt, dem Blog, gänzlich frei entfalten zu können, ohne sich den Wünschen eines Chefredakteurs beugen zu müssen.

Frisch gebloggt: Dein Markenzeichen sind Deine wirklich fantastischen und sehr unterhaltsamen Reise-Videos. Wie sieht es hierbei aber mit Rechten und Lizenzen aus? Fragst Du jedes Mal alle Personen, die Du filmst, ob sie damit einverstanden sind?

Christoph Pfaff: Ja, das tue ich tatsächlich. Im Mai war ich beispielsweise mit einer Reisegruppe in Jordanien unterwegs. Wir sind zusammen im Toten Meer geschwommen, haben einen Kamelritt durch die Wüste Wadi Rum unternommen und gemeinsam arabisch gekocht. Meine Videokamera war natürlich stets dabei – und ich habe jeden einzelnen gefragt, ob es für ihn oder sie okay ist, in den Videos vorzukommen.

 

Reise-Video von Christoph Pfaff aus Jordanien – VonUnterwegs.com:

 

Frisch gebloggt: Gab es auch schon einmal eine Abmahnung oder eine Bitte um Entfernung eines Deiner Videos, weil Personen oder Gegenstände gefilmt wurden, die rechtlich umstritten sind?

Christoph Pfaff: Nein, bisher nicht. Das einzige, was ab und zu vorkommt ist, dass die Menschen mich direkt vor Ort bitten, sie nicht zu filmen. Diesen Wunsch respektiere ich dann selbstverständlich.

Frisch gebloggt: Welche Rolle spielen die derzeit geltenden Urheberrechtsgesetze bzw. Persönlichkeitsrechte für dich als Blogger?

Christoph Pfaff: Ehrlich gesagt stecke ich in diesen ganzen Theoriegeschichten nicht so drin. Ich möchte gerne kreativ sein und lustigen, interessanten Content anbieten. Da wirken solche rechtlichen Dinge häufig hemmend. Aber natürlich, Urheber- und Persönlichkeitsrechte sind wichtig. Bei mir war am Anfang zum Beispiel auch eine entscheidende Frage: Welche Musik darf ich in meinen Videos verwenden, ohne rechtlich angreifbar zu sein? Ich habe dann die Band Lions of Nebraska aus meiner Stadt Kiel gefragt. Wir sind schon seit Jahren befreundet – und sie haben sich über mein Angebot gefreut, sie zu meiner »Blog- und Hof-Band« zu machen, wie ich immer gerne sage. So was ist natürlich perfekt.

Christoph unterwegs in Asien (VonUnterwegs.com)

Christoph unterwegs in Asien (VonUnterwegs.com)

Frisch gebloggt: Denkst Du, dass es Content-Produzenten dank der neuen Medien heute einfacher haben, mit ihren Arbeiten Geld zu verdienen?

Christoph Pfaff: Wer für ein bestehendes und etabliertes Online-Angebot schreibt, kann mit seinem gelieferten Content Geld verdienen, ohne Frage. Hier kommt es lediglich darauf an, die richtigen Kontakte zu knüpfen und sich mit Textproben bei den potentiellen Auftraggebern unter Beweis zu stellen. Wenn man gerne sein eigenes Produkt aufbauen möchte, ist es dank Facebook, Twitter und Co. meiner Meinung nach generell einfacher geworden, sich eine gewisse Bekanntheit zu verschaffen. Man muss einfach hier und da seine virtuelle Nase zeigen und präsent sein – dann geht’s relativ schnell. Besonders am Anfang ist es aber schwer, mit seinem »Baby« Geld zu verdienen. Es braucht Zeit, bis sich ein Blog im Internet etabliert hat. Da geht es dann zum einen natürlich darum, einzigartigen und guten Content zu produzieren, zum anderen aber auch um technische Fragen, zum Beispiel wie das Blog bei Google besser gefunden wird.

Frisch gebloggt: Wenn Du mit Deiner Kamera einen Film drehen würdest, in dem Du die Geschichte eines Radiomoderators und Reisejournalisten aus der Zukunft erzählst, wie würde diese Geschichte aussehen?

Christoph Pfaff: Mein Film würde sich um eine Thematik drehen, die in den USA bereits bestens funktioniert. Hier die dazugehörige Szene: Ein dunkles, fensterloses Kabuff, Schaumstoff oder Eierpappe an der Wand zur besseren Dämmung, ein Mischpult, ein Kopfhörer, ein Mikrofon. Soweit alles wie in der Gegenwart. Doch als der Radiomoderator auf seinem Bürostuhl ins Bild rollt, den Record-Knopf drückt und beginnt, ins Mikro zu sprechen, merkt der Zuschauer bereits, dass es hier anders zugeht. Der wortgewandte Dude spricht nun eine halbe Stunde am Stück über tagesaktuelle Themen, persönliche Befindlichkeiten und seine letzten Alltagsbeobachtungen – und bietet die fertige Aufnahme anschließend prompt bei iTunes und Co. zum Download an. Diese andere Form der Radiosendung ist eine Art Podcast und erfreut sich in Amerika bereits größter Beliebtheit. Die Moderatoren sind richtige Stars, bringen ihr eigenes Produkt ins Internet und verdienen damit Geld. Manchmal sind sogar Gäste in der Sendung. In unserem Film würde es sich dabei um einen weitgereisten Reisejournalisten handeln, der von seiner letzten Recherche in Kasachstan erzählt. Früher war er immer mit Notizblock und Stift unterwegs und es dauerte manchmal bis zu einem halben Jahr, bis sein Auftraggeber den Artikel in den Druck gab. Das hat den Mann müde gemacht. Heutzutage ist er nur noch mit seinem Laptop ausgestattet – und das holt er während des Interviews mit der Ansage hervor, er müsse die Geschichte mal schnell auf seine Seite stellen. Letzte Szene: Die aufgezeichnete Radiosendung und der Kasachstan-Artikel gehen gleichzeitig online. Fazit des Films: Das Radio war schon immer ein schnelles Medium – die schreibende Zunft ist es durch die neuen Medien endlich auch geworden.

Frisch gebloggt: Vielen Dank für das Interview!

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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2 Antworten

  1. vera sagt:

    „Ehrlich gesagt stecke ich in diesen ganzen Theoriegeschichten nicht so drin. Ich möchte gerne kreativ sein und lustigen, interessanten Content anbieten. Da wirken solche rechtlichen Dinge häufig hemmend.“

    Schon sehr großzügig. Mir erklärte kürzlich ein älterer Journalist allen Ernstes, er wisse nicht so genau, was in seinen Verträgen stehe, er habe die immer einfach unterschrieben. Zwei Seiten derselben Medaille. Lästig, ja, aber nötig, sich mit den gesetzlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und endlich dieses fürchterliche Urheberrecht aus dem letzten Jahrhundert zu ändern.

    • Katharina sagt:

      Hallo Vera – ich denke auch, dass die Urheberrechtsgesetze dringend angepasst werden müssten. In dieser Form, wie sie derzeit bestehen, hemmen sie die Kreativität und haben schon so manchen Webseitenbetreiber/Blogger dazu gebracht, das Handtuch zu werfen.

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