Warum gibt es bei Apple keine App für eigene Videos?

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Es gibt eine erstaunliche Lücke im Apple-Ökosystem, die mich wirklich schmerzt.

Wer mehrere Apple Geräte nutzt, kennt dieses stille Versprechen, das immer mitschwingt. Alles soll zusammenarbeiten, reibungslos, sinnvoll und nutzerfreundlich. Genau deshalb hatte ich die Erwartung, dass es eine Videos-App geben müsste, die genauso funktioniert wie Apples Fotos-App. Eine zentrale Mediathek für private Filme, die auf dem Mac, dem iPad, dem iPhone und auf dem Apple TV verfügbar ist. Eine Videos-App, die meine privaten Filme in voller Qualität wiedergibt, sie sauber organisiert, die Inhalte über iCloud oder andere Clouds auch unterwegs bereitstellt und dabei eine ansprechende, durchdachte Benutzeroberfläche bietet. Doch zu meiner Verwunderung existiert eine solche App nicht.

Die Fotos-App zeigt, wie gut Apple es eigentlich kann

Die Fotos-App ist bemerkenswert mächtig. Sie verwaltet nicht nur Bilder, sondern erlaubt auch das Erstellen geteilter Alben, die auf allen Geräten verfügbar sind. Darüber hinaus lassen sich sogar kleine Webseiten mit Fotos erzeugen, auf die jeder zugreifen kann, der den Link kennt. Die Fotos können dort angesehen und heruntergeladen werden, ohne Account, ohne App, ohne Hürden. Genau so stellt man sich moderne Medienverwaltung vor.

Umso berechtigter ist die Frage, warum es eine solche App nicht auch für Videos gibt.

Nun werden manche anmerken, dass man Videos ja durchaus in der Fotos-App einlesen kann. Das stimmt. Videos lassen sich importieren und auch in geteilten Alben bereitstellen. Auf den ersten Blick scheint damit alles gesagt. Auf den zweiten Blick aber eben leider nicht.

Warum Fotos für Videos keine Lösung ist

Die Nachteile sind so gravierend, dass man sie nicht relativieren muss. Videos mit einer Länge von mehr als zehn Minuten können gar nicht erst in die Fotos-App eingelesen werden. Wer private Filme archiviert, die länger sind als ein kurzer Clip, müsste sie also künstlich in mehrere Teile zerlegen. Das ist in der Praxis schlicht ein No-Go.

Doch selbst das wäre noch verschmerzbar, wenn wenigstens die Qualität stimmen würde. Genau hier liegt jedoch das größte Problem. Die Komprimierung ist extrem aggressiv. Die Videos werden so stark heruntergerechnet, dass das Ergebnis keine Option mehr ist. Details verschwinden, Bewegungen wirken matschig und hochwertiges Ausgangsmaterial verliert sichtbar an Substanz. Das ist keine Frage von persönlichem Anspruch, sondern objektiv nicht hinnehmbar. Für private Videos ist die Fotos-App damit disqualifiziert.

Und was ist mit der Apple TV-App?

Da die Fotos-App wegfällt, richtet sich der Blick zwangsläufig auf die Apple TV-App. Sie ist schließlich Apples zentrale Plattform für Bewegtbild. Doch wer genau hinschaut, erkennt schnell, dass private Videos in dieser App offensichtlich keine Rolle spielen sollen. Die Funktionen für eigene Inhalte sind so rudimentär, dass sie sich faktisch selbst disqualifizieren. Es gibt keine echte Mediathek, keine sinnvolle Organisation und keine durchdachte Darstellung. Alles an dieser App signalisiert, dass sie für etwas anderes gebaut wurde. Für Streaming, für Abos, für kuratierte Inhalte. Private Videos sind bestenfalls ein geduldeter Sonderfall. Dass diese Einschränkungen nicht zufällig sind, sondern offenbar so gewollt, drängt sich als Schlussfolgerung fast zwangsläufig auf.

Keine Videos-App nach dem Vorbild von Fotos

Je länger man darüber nachdenkt, desto klarer wird das eigentliche Defizit. Apple hat sich bewusst gegen eine Videos-App entschieden, die private Filme so behandelt wie Fotos. Es fehlt eine zentrale Bibliothek, die auf allen Geräten funktioniert und private Inhalte respektiert, statt sie zu degradieren. Das ist umso erstaunlicher, weil Apple mit Fotos eindrucksvoll zeigt, wie gut so etwas funktionieren kann.

Meine derzeit praktikabelste Lösung

Meine aktuelle Antwort auf das Problem einer fehlenden App für private Videos lautet: Plex-Server in Kombination mit Infuse. Der Plex-Server ist kostenlos. Bei Infuse nutze ich die Pro-Version, die derzeit mit 1,99 EUR pro Monat bzw. 19,99 im Jahr kostet und zum Glück nicht übertrieben teuer ist.

Mangels einer nativen Apple-Lösung bleibt derzeit nur der Weg über Drittanbieter. Für mich hat sich diese Kombination bewährt. Der Plex-Server übernimmt die saubere Verwaltung der Videodateien, während Infuse auf Apple TV, iPad und iPhone für eine hochwertige Wiedergabe sorgt. Die Videos bleiben in Originalqualität erhalten, unterschiedliche Formate werden problemlos unterstützt und die Bibliothek wirkt aufgeräumt und angenehm nutzbar. Infuse fügt sich dabei erstaunlich gut in das Apple-Design ein, ohne sich fremd anzufühlen. Es ist kein Ersatz für eine echte Apple Videos-App. Aber es ist aktuell die einzige Lösung, die private Filme ernst nimmt.

Die Erwartung einer Videos-App, die wie Fotos funktioniert, ist naheliegend und legitim. Dass Apple diese Lücke bis heute offen lässt, ist eine der überraschendsten Schwächen im ansonsten so gut durchdachten Apple Universum. Spürst Du diese Lücke auch? Wünschst Du Dir ebenfalls eine Apple Videos-App für Deine privaten Reise- oder Familienfilme? Und wie löst Du dieses Problem? Verrate es mir gern in den Kommentaren.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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