Sind Suchmaschinen überflüssig geworden?

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Wie oft habe ich in Facebook-Gruppen, auf Reddit oder in YouTube-Kommentaren schon gelesen: „Warum fragst Du das, google es doch einfach!” Es gab sogar eine Seite, die hieß „Let me Google that for you” (engl.: Lass mich das für dich googeln). Dort konnte man die Fragen von Freunden, Familie oder Bekannten eingeben und einen Link generieren. Öffnete man den Link, sah man, wie die eigene Frage bei Google eingegeben wurde. Deutlicher konnte man jemandem kaum zeigen, dass er lieber selbst googeln soll, statt zu fragen.

Aber gilt das heutzutage überhaupt noch? Wer etwas wissen will, soll erst einmal googeln? Kann man diesen Satz noch so stehen lassen? Oder stirbt das Googeln gerade still und leise? Wir merken es kaum, weil das Wort „googeln” ja weiterhin fällt, im Duden steht es sogar noch als Verb. Nur das, was tatsächlich dahinter passiert, hat sich in den letzten Jahren radikal verändert.

Vom Suchen zum Fragen

Wir haben jahrzehntelang gelernt, mit Suchmaschinen zu sprechen wie mit einem etwas begriffsstutzigen Kollegen. Wir haben Suchbegriffe aneinandergereiht und gehofft, möglichst schnell ein gutes Ergebnis und eine passende Webseite zu finden. Heute stellen wir einfach Fragen, in ganzen Sätzen, so wie wir einer klugen Freundin schreiben würden. Und das Verrückte ist: Selbst Google macht das inzwischen mit. Die AI Overviews stehen längst über den klassischen Ergebnissen und fassen zusammen, was früher zehn Klicks gekostet hätte. Bei vielen Informationsfragen bekommt man die Antwort direkt eingeblendet, ganz ohne einen einzigen Klick auf eine Webseite.

Das bedeutet: Nicht nur immer mehr User wandern zu ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity und Co ab. Google selbst wird immer mehr zur KI. Die Suchmaschine, wie wir sie kannten, verwandelt sich gerade unter unseren Fingerspitzen in etwas anderes.

Wer recherchiert eigentlich noch?

Es geht darum, genauer hinzuschauen. Die KI-Chatbots sind zweifelsohne ein tolles und nützliches Werkzeug. Aber sie machen Fehler. Und sie sind nicht wirklich intelligent oder gar objektiv. Wenn die KI die Antwort auf eine Frage liefert, recherchiert nicht mehr der Mensch. Die KI wählt aus, gewichtet, formuliert um. Wir bekommen ein fertiges Ergebnis serviert, wie eine Mahlzeit, bei der wir nicht mehr sehen, was in der Küche passiert ist.

Das Problem dabei ist nicht die Technik. Das Problem ist unsere Bequemlichkeit. Wenn eine Antwort selbstbewusst und flüssig klingt, glauben wir ihr. Punkt. Wir fragen nicht mehr, wie diese Antwort zustande kam. Wir vergleichen nicht mehr drei Quellen, wir lesen nicht mehr quer, wir stellen keine Rückfragen an uns selbst. Karl Popper hätte vermutlich gesagt, dass eine Aussage erst dann etwas wert ist, wenn sie sich der Kritik stellt. Genau diese Kritikfähigkeit verlieren wir gerade Stück für Stück, weil die KI uns die Mühe abnimmt, die früher zum Denken dazugehörte. Leichtgläubigkeit ist die gefährliche Nebenwirkung der bequemen Antwort.

Frag ruhig ChatGPT. Aber überprüfe die Quellen und frag danach auch dich selbst.

Sichtbarkeit wird zum Überlebenskampf

Für Unternehmer und Blogger wie mich bedeutet das zudem eine ziemliche Zäsur. Es reicht nicht mehr, bei Google weit oben in den Suchergebnissen zu erscheinen (was schwierig genug ist). Man muss dort sichtbar sein, wo die KI hinschaut, wenn sie ihre Antworten zusammenbaut.

Tipps, um für KI sichtbarer zu werden

  • Antworten zuerst, Geschichten danach. KI-Systeme lieben klare, direkte Aussagen im ersten Absatz. Die Ausschmückung darf folgen, aber die Kernantwort muss sofort sichtbar sein.
  • FAQ-Bereiche einbauen. Frage und Antwort ist genau das Format, das Sprachmodelle am liebsten zitieren.
  • Strukturierte Daten nutzen. Maschinen lesen Struktur lieber als Textwüsten. Überschriften, Listen, klare Absätze.
  • Aktualität zeigen. Ein sichtbares Veröffentlichungs- oder Updatedatum signalisiert Vertrauenswürdigkeit.
  • Autorenschaft und Expertise klar machen. KI-Systeme bevorzugen Inhalte mit erkennbarer, glaubwürdiger Quelle.
  • Technische Basis nicht vergessen. Ladezeit einer Webseite, mobile Darstellung, saubere Struktur.

Bonus-Tipp: Das Thema der Webseite muss deutlich zu erkennen sein. Je konkreter und nischiger das Thema einer Webseite, desto besser. Übrigens hilft es auch, wenn die Domain der Webseite das Thema im Namen trägt. Die Seite auf eine Domain zu legen, die einen gängigen Begriff zum Thema der Webseite enthält, ist Gold wert! Beim Domain Check mit dem passenden Suchbegriff lohnt sich auch ein Blick auf bereits vergebene Domains, um zu sehen, wie die Konkurrenz zu dem Thema aufgestellt ist.

Müssen wir uns Sorgen machen?

Klare Antwort: Ja! Suchmaschinen verwandeln sich vom Wegweiser zum Antwortgeber. Und genau das sollte uns wachrütteln. Wir dürfen nicht verlernen, selbst zu denken, Quellen zu prüfen und kritisch zu hinterfragen. Es ist wichtig, die KI als Werkzeug zu begreifen und niemals zu vergessen, dass ein KI-System weder intelligent noch menschlich ist. Du möchtest eine mündige Gesellschaft und eine funktionierende Demokratie? Das funktioniert nur mit Menschen, die das kritische Denken beherrschen.

 

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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