eSIM im Ausland: Wann sich der Wechsel wirklich lohnt

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Es gibt Dinge, die man vor einer längeren Reise akribisch plant: Flug, Unterkunft, Mietwagen, vielleicht noch die Frage, ob drei Paar Schuhe wirklich nötig sind. Beim Mobilfunk wird dagegen gerne improvisiert. Schließlich gibt es doch WLAN. Das ist ungefähr so zuverlässig wie der Vorsatz, im Urlaub diesmal wirklich weniger Fotos zu machen. Dabei kann gerade der Mobilfunk auf einer längeren Auslandsreise ordentlich ins Geld gehen. Gleichzeitig sind die Zeiten vorbei, in denen Roaming grundsätzlich eine finanzielle Mutprobe war. Wer heute verreist, hat mehrere Möglichkeiten: den eigenen Tarif weiter nutzen, ein Auslandspaket buchen oder eine Reise-eSIM verwenden.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt vor allem von drei Dingen ab: Wo geht es hin? Wie lange bleibt man? Und was macht das Smartphone unterwegs eigentlich den ganzen Tag?

Europa: meistens einfach weitermachen

Innerhalb der EU ist die Sache erfreulich unkompliziert. Dank „Roam like at home“ können die meisten Mobilfunkkunden ihren Tarif auch in anderen EU-Ländern zu den heimischen Konditionen nutzen. Wer zwei Wochen durch Italien fährt oder zehn Tage auf Mallorca verbringt, muss deshalb normalerweise keine eSIM organisieren. Mit einer deutschen SIM im Handy einfach Roaming einschalten, fertig.

Auch außerhalb der EU bieten die großen deutschen Mobilfunkanbieter inzwischen Auslandspakete an. Für einen kurzen Aufenthalt kann das die bequemste Lösung sein. Schließlich muss man nicht für jede Reise eine kleine Telekommunikationsinventur veranstalten. Interessant wird die eSIM vor allem dann, wenn aus Urlaub ein längerer Aufenthalt wird.

Wenn das Smartphone plötzlich zum Familienmitglied wird

Auf Reisen steigt der Datenverbrauch erstaunlich schnell. Google Maps läuft. Nachrichten gehen hin und her. Fotos werden hochgeladen. Man telefoniert per Video mit den Menschen zu Hause. Vielleicht arbeitet man unterwegs. Und wenn Kinder dabei sind, kommt noch eine ganz eigene Kategorie hinzu. Man fährt zum Beispiel mit der Familie an einen wunderschönen See, parkt mitten in der Natur und denkt: Jetzt wird mal richtig abgeschaltet. Zehn Minuten später sitzt das Kind im Campingstuhl und möchte wissen, ob es Netflix schauen darf. Wenn das WLAN auf dem Campingplatz nicht existiert oder ungefähr die Geschwindigkeit einer Brieftaube hat, wird das Smartphone schnell zum persönlichen Internetanschluss der ganzen Familie. Genau hier kann eine eSIM mit großzügigem Datenvolumen interessant werden.

Meine Kanada-Reise: 100 GB für 40 Dollar

Diesen Sommer war ich mit meiner Familie mehrere Wochen in Kanada. Für diese Reise habe ich eine spezielle Reise-eSIM von CanadianSIM genutzt. Der Tarif bot 100 GB Daten im 5G-Netz von Rogers für 40 kanadische Dollar im Monat. Dazu kamen eine kanadische Telefonnummer, unbegrenzte Gespräche innerhalb Kanadas, SMS und Hotspot. Der Tarif war damit für uns nicht nur ein Internetzugang auf dem Smartphone. Er konnte bei Bedarf auch Laptop und Tablet mitversorgen.

Und genau der Hotspot ist ein Detail, auf das man beim Vergleich unbedingt achten sollte. Nicht jeder günstige Datentarif erlaubt Tethering. Wer mit Kindern reist oder unterwegs arbeitet, merkt den Unterschied spätestens dann, wenn der Nachwuchs am See unbedingt noch einen Film oder drei Folgen seiner Lieblingsserie streamen möchte.

Interessant war außerdem der Preis. Laut Anbieter kostet der vergleichbare Tarif beim Kauf in Kanada 80 kanadische Dollar. Für Reisende werden 40 Dollar aufgerufen. Allerdings gibt es dabei einen Haken, den man leicht übersieht: Dieses spezielle Angebot ist für Menschen gedacht, die nach Kanada kommen. Es muss vor der Reise bestellt werden. Der Anbieter aktiviert die eSIM 24 Stunden vor der Landung. Wer erst nach der Ankunft auf die Idee kommt, diesen Reisetarif zu buchen, bekommt ihn also nicht einfach zum gleichen Preis im kanadischen Mobilfunkladen.

Das ist überhaupt ein guter Grundsatz bei Reise-eSIMs: Nicht erst am Flughafen vergleichen. Vor der Abreise rechnen, buchen und einrichten.

Und dann war da noch Indien

Eine gute Bekannte von mir ist Yogalehrerin und war längere Zeit in Indien unterwegs. Auch sie hat für ihre Indien-Reise eine eSIM genutzt, weil ich es ihr geraten habe. Und sie war so happy, dass vor Ort alles funktionierte und sie sich keine Gedanken machen musste. Bei Indien kommt nämlich noch ein interessanter Aspekt hinzu: Wer vor Ort eine klassische indische SIM beziehungsweise eine lokale eSIM möchte, muss sich auf eine Identitätsprüfung einstellen. Für ausländische Reisende können dafür unter anderem Reisepass und Visum erforderlich sein. Je nach Anbieter und Verfahren kann die Aktivierung dadurch deutlich umständlicher werden als bei einer internationalen Reise-eSIM, die bereits vor der Abreise eingerichtet wird.

Vor allem ist es auch eine Frage des Komforts. Niemand möchte nach einem langen Flug erst einen Mobilfunkladen suchen, Formulare ausfüllen und sich mit einer Identitätsprüfung beschäftigen, bevor Google Maps überhaupt weiß, wo man sich befindet. Für meine Bekannte war die eSIM deshalb vor allem eine Frage der Vorbereitung: Internet organisieren, bevor die Reise beginnt, und nicht erst vor Ort.

Wann lohnt sich eine Reise-eSIM?

Eine einfache Faustregel hilft:

  • Kurzer Urlaub innerhalb der EU: Der bestehende Tarif reicht meistens.
  • Kurzer Aufenthalt außerhalb der EU: Ein Auslandspaket des eigenen Anbieters kann die bequemste Lösung sein.
  • Mehrere Wochen oder Monate außerhalb der EU: Eine Reise-eSIM sollte unbedingt in den Vergleich.

Besonders interessant wird sie, wenn viel Datenvolumen benötigt wird. Also für Menschen, die arbeiten, streamen, navigieren, häufig Videotelefonate führen oder unterwegs mehrere Geräte mit Internet versorgen.

Vor dem Kauf würde ich deshalb auf diese Punkte schauen:

  • Datenvolumen: Wie viel wird tatsächlich benötigt?
  • Netz: Welcher lokale Anbieter steckt dahinter?
  • Hotspot: Ist Tethering ausdrücklich erlaubt?
  • Laufzeit: Passt die Gültigkeit zur Reisedauer?
  • Telefonie: Gibt es eine Telefonnummer oder handelt es sich um einen reinen Datentarif?
  • Aktivierung: Muss die eSIM vor der Reise bestellt oder verifiziert werden?
  • Preis: Was kostet das Auslandspaket des eigenen Anbieters im direkten Vergleich?

Denn genau das ist der entscheidende Punkt: Eine eSIM ist nicht automatisch günstiger. Sie ist auch kein Gegenmodell zu deutschem Roaming. Sie ist schlicht eine weitere Möglichkeit.

Auf unserer Kanada-Reise hat sie sich für uns gelohnt. 100 GB, 5G, Hotspot und eine kanadische Telefonnummer für 40 Dollar im Monat waren für eine mehrwöchige Familienreise eine ziemlich angenehme Kombination. Und vor allem war das Internet bereits geregelt, bevor das Flugzeug überhaupt in Kanada gelandet ist.

Das ist vielleicht die angenehmste Eigenschaft moderner Technik: Wenn sie gut funktioniert, merkt man sie kaum. Man sitzt dann einfach am See, während das Kind einen Film streamt, der Laptop online ist und Google Maps zuverlässig den Weg zurück zum Ferienhaus kennt. Und irgendwo denkt man kurz: So kann Urlaub aussehen.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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