Die meisten Eltern kennen diese kostenlosen Schulschriften nicht

In einer Zeit, in der Kinder oft früher auf Tablets tippen als einen Stift richtig halten, erlebt ein altes Thema ein leises Comeback: die Handschrift. Und mit ihr die Frage, welche Schriften eigentlich geeignet sind, Kindern das Schreiben beizubringen. Auf dieses Thema bin ich eher zufällig gestoßen. Eigentlich wollte ich nur ein paar Übungsblätter für mein Kind erstellen. Ein paar Buchstaben zum Nachfahren, vielleicht ein kleines Arbeitsblatt für zwischendurch. Stattdessen landete ich in einem überraschend großen Universum aus Schulschriften, Schreiblernkonzepten und kostenlosen Fonts. Dabei wurde mir schnell klar: Die richtige Schrift macht einen größeren Unterschied, als man zunächst denkt.
Und dabei bin ich auf Zahlen gestoßen, die uns alle alarmieren sollten. Laut IGLU-Studie erreicht inzwischen etwa jedes vierte Kind in Deutschland nicht die notwendige Lesekompetenz für den weiteren Bildungsweg. Ähnliche Entwicklungen zeigen auch die PISA-Erhebungen seit Jahren. Wenn man solche Zahlen liest, wirken ein paar Übungsblätter zum Nachfahren plötzlich gar nicht mehr wie eine kleine Elternbeschäftigung, sondern wie ein sinnvoller Beitrag zur Leseförderung.
Die Grundschrift: Moderner Standard mit cleveren Extras
Der aktuelle Platzhirsch unter den Lernschriften ist die Grundschrift von Christian Urff. Sie wurde 2011 vom Grundschulverband als Alternative zur klassischen verbundenen Schreibschrift entwickelt und wird heute je nach Bundesland im Unterricht eingesetzt. Ihre Stärke liegt in den klaren, offenen Buchstabenformen. Kinder müssen nicht von Anfang an jeden Buchstaben miteinander verbinden, sondern entwickeln ihren eigenen Schreibfluss oft ganz natürlich.
Besonders interessant sind die verschiedenen Varianten der Schrift. Es gibt sie als normale Druckschrift, in fett und light, mit Zahlen, als Hohlschrift zum Nachfahren und als Version, bei der die Buchstaben ausschließlich aus Punkten bestehen. Genau diese Punktversion nutze ich bei uns zu Hause besonders häufig. Mein Kind hat erstaunlich viel Spaß daran, die Buchstaben nachzufahren. Gleichzeitig entstehen ohne großen Aufwand individuelle Übungsblätter. Manchmal sind es gerade die einfachen Dinge, die am besten funktionieren.
Weitere kostenlose Schulschriften, die sich lohnen
Im Internet finden sich zahlreiche Schriften, die für Eltern, Lehrkräfte und Schüler interessant sind. Besonders hilfreich finde ich die Sammlung auf schulschriften.net. Dort werden verschiedene Schulschriften übersichtlich bereitgestellt und können kostenlos genutzt werden.
Die wichtigsten im Überblick:
Schreibschriften
- Bienchen Schulausgangsschrift (SAS) von Peter Wiegel: eine der bekanntesten Lernschriften, ursprünglich in der DDR entwickelt und seit den 1990er-Jahren weit verbreitet.
- Gruenewald Vereinfachte Ausgangsschrift (VA): ebenfalls von Peter Wiegel, in verschiedenen Varianten für unterschiedliche Klassenstufen verfügbar.
Druckschriften
- Fibel Nord und Fibel Süd: jeweils als normale Druckschrift und als Hohlschrift erhältlich, ideal für erste Schreibversuche.
- Druckschrift BY WOK von Wolfram Eßer: klar gestaltet, kindgerecht und kostenlos unter Creative-Commons-Lizenz nutzbar.
Wer ein Kind mit Lese-Rechtschreib-Schwäche hat, sollte außerdem einen Blick auf die LRS-Schriften von Ruben Rimmler werfen. Sie wurden speziell für diese Anforderungen weiterentwickelt und können eine sinnvolle Unterstützung sein.
Schriften installieren: Fünf Minuten, mehr nicht
Der technische Teil ist tatsächlich der einfachste.
- Schriftdatei herunterladen
- Datei per Doppelklick öffnen
- Auf „Installieren“ klicken. Fertig!
Danach steht die Schrift in praktisch jedem Textprogramm zur Verfügung. Zum Beispiel in Open Office, das kostenlos für Windows und macOS verfügbar ist. Wer lieber mit Microsoft arbeitet, kann natürlich auch Word verwenden. Nach der Installation erscheinen die Schriften automatisch in der Auswahlliste. Kleiner Spartipp am Rande: Viele Nutzer wissen gar nicht, dass sie Office 365 günstig nutzen können, etwa über Familienabonnements oder Bildungsangebote.
Warum Eltern beim Schreiben wieder genauer hinschauen sollten
Wer regelmäßig mit seinem Kind Buchstaben übt, macht oft eine interessante Beobachtung: Kinder schauen nicht nur auf das Arbeitsblatt. Sie schauen auch auf die Handschrift ihrer Eltern. Und spätestens dann wird es spannend. Denn viele Erwachsene schreiben heute deutlich seltener mit der Hand als noch vor einigen Jahren. Notizen landen auf dem Smartphone, Einkaufslisten in einer App und Erinnerungen im digitalen Kalender. Ich selbst liebe das Schreiben so sehr, dass ich es regelmäßig mache. Ich habe sogar ein iPad mit einem Apple Pencil und kann deshalb sogar auf meinem Tablet handschriftliche Notizen machen. Aber viele befreundete Familien haben mir berichtet, dass sie erst durch das Schreibenüben mit ihren Kindern festgestellt haben, wie selten sie im Alltag noch handschriftlich schreiben. Und vielen fällt es tatsächlich schwer, schön und ordentlich zu schreiben. Falls es Dir auch so geht, sieh es positiv: wer mit seinem Kind übt, übt immer auch ein kleines Stück mit sich selbst.
Hast Du Vorschulschriften auf Deinem Computer installiert?
Vorschulschriften zu installieren ist technisch ein Kinderspiel. Auch die Auswahl an hochwertigen und kostenlosen Schriften ist größer, als viele vermuten. Für nahezu jeden Bedarf gibt es passende Varianten, ob zum Nachfahren, freien Schreiben oder zur gezielten Förderung. So wird es erstaunlich einfach, schöne Arbeitsblätter für Kinder zu erstellen. Und ganz nebenbei dürfen all jene, die ihre Kinder beim Schreibenlernen begleiten, etwas wiederentdecken, das im digitalen Alltag oft verloren geht: den Zauber einer schönen Handschrift.





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