Lesenswert: Walter Isaacson schreibt über Steve Jobs

Steve Jobs von Walter Isaacson (C. Bertelsmann)

Steve Jobs von Walter Isaacson (C. Bertelsmann)

Über die Feiertage habe ich einen dicken Wälzer durchgelesen, der für mich als Apple-Freund und iNerd ein absolutes Muss war: Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers“ von Walter Isaacson.

Der tragische und viel zu frühe Tod von Steve Jobs am 5. Oktober 2011 hat das gerade zu Ende gestellte Buch natürlich zu einem Bestseller gemacht. Das Erscheinungsdatum der Biografie wurde zunächst von März 2012 auf November 2011 vorgezogen, aufgrund des gesundheitlichen Zustands von Steve Jobs schließlich sogar in den Oktober gelegt. Ich habe das Buch auf deutsch gelesen und halte die Biografie von Walter Isaacson über Steve Jobs für wirklich lesenswert!

Steve Jobs in Stanford (Foto: KengSusumpow/Flickr)

Steve Jobs in Stanford (Foto: KengSusumpow/Flickr)

Zunächst kann ich alle Skeptiker beruhigen: Walter Isaacson hält keine verklärte Lobrede auf Steve Jobs, sondern ist sehr bemüht objektiv von diesem außergewöhnlichen Mann zu berichten. Dabei erwähnt er nicht nur seine gute Eigenschaften, sondern traut sich auch von den negativen Seiten von Steve Jobs zu sprechen. Denn neben dem richtigen Näschen was die Zukunft von Computern und Technik betrifft und seinem erstaunlichen Ehrgeiz, hatte Jobs anscheinend ein deutliches Defizit an sozialer Kompetenz. Seine Wutausbrüche, seine unverblümten, häufig beleidigenden Kommentare und seine Art, die Realität so zu verdrehen, wie es ihm gerade passt, sind genauso legendär wie seine Macs, iPods, iPhones und iPads.

Um Euch Lust auf die Lebensgeschichte des Apple-Gründers und großartigen Visionärs zu machen, hier ein paar interessante Fakten aus dem Buch:

    • Die ersten Microsoft-Anwendungen waren Excel und Word für den Mac – wusstet Ihr das?
    • Steve Jobs über seine Geschäftsphilosophie: »Einige Leute sagen: Gib den Kunden, was sie wollen. Aber das ist nicht mein Ansatz. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, was sie wollen, ehe sie es selbst herausfinden. Ich glaube, dass Henry Ford einmal gesagt hat: Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie haben wollten, hätten sie mir geantwortet: ›Ein schnelleres Pferd!‹. Die Leute wissen gar nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt. Deshalb verlasse ich mich nicht auf Marktforschung. Unsere Aufgabe ist es, Dinge zu lesen, die noch gar nicht geschrieben sind.«
Ein Apfel veraendert die Welt (HikingArtist.com)

Ein Apfel veraendert die Welt (HikingArtist.com)

  • Steve Jobs über Firmenpolitik: »Ich habe meine eigene Theorie darüber, warum es zu einem Niedergang bei Firmen wie IBM oder Microsoft kommt. Die Firma macht hervorragende Arbeit, bringt Innovationen hervor und wird in einem bestimmten Bereich Monopolist oder zumindest beinahe, und damit wird die Qualität des Produkts weniger wichtig. Die Firma wertet zusehends die großartigen Vertriebsleute auf, denn sie können den Kurs in Richtung Ertrag ausrichten, und nicht die Wirtschaftsingenieure und Designer. Schließlich führen die Vertriebsleute die Firma. […] Sobald die Vertriebsleute das Sagen in der Firma haben, sind die Leute, die mit den Produkten zu tun haben, nicht mehr so wichtig, und viele schmeißen einfach hin. Genau das passierte bei Apple, als Sculley kam, was mein Fehler war, und das Gleiche passierte, als Ballmer bei Microsoft übernahm. Apple hatte Glück und stieg wieder auf, doch solange Ballmer Microsoft führt, glaube ich nicht, dass sich dort etwas ändert. […] Man baut eine Firma auf, die auch noch eine oder zwei Generationen von heute aus gesehen für etwas stehen wird. Genau das haben Walt Disney, Hewlett und Packard und die Leute, die Intel aufbauten, getan. Sie schufen eine Firma, die bleibt, nicht nur eine zum Geldverdienen. Ich wollte erreichen, dass Apple genau so eine Firma ist.
  • Steve Jobs über seine Apple-Stores: »Dieser Laden macht mehr Umsatz pro Quadratmeter als jeder andere Laden auf der Welt. Darüber hinaus setzt er absolut gesehen – in absoluten Zahlen, nicht nur bezogen auf die Quadratmeter – mehr um als jeder andere Laden in New York. Saks und Bloomingdale’s mit eingeschlossen.«
  • Im Jahr 2011, ein Jahrzehnt nachdem die ersten Apple Stores eröffnet wurden, gab es 317 Apple Stores. Der größte steht in London im Stadtteil Covent Garden, der höchste in Tokio im Stadtteil Ginza. Durchschnittlich wird ein Apple-Store von 17.600 Menschen pro Woche besucht, der durchschnittliche Umsatz beträgt 34 Millionen Dollar und der Gesamtnettoumsatz im Steuerjahr 2010 betrug 9,8 Milliarden Dollar.
  • Steve Jobs ist ein großer Fan von Bob Dylan gewesen. Besonders gut gefiel ihm „The Times They Are A-Changin‚“
  • Richard Appel, einer der Autoren der TV-Serie „The Simpsons“, benannte Homers Mutter nach seiner Ex-Frau Mona Simpson, Steve Jobs jüngerer Schwester. Witzig, oder?
  • Der im Schwarzwald geborene, deutsche Industrie-Designer Hartmut Esslinger wurde Anfang der 80er Jahre von Steve Jobs nach Kalifornien geholt, um dort mit seiner Firma „frog design“ für Apple Produkte zu designen. Der Name „Frog“ steht übrigens nicht nur für den Frosch, sondern ist eine Anspielung auf das Heimatland des Designers: Federal Republic Of Germany.

Und zum Schluss noch ein paar Zitate:

„Die autorisierte Biografie über Steve Jobs ist keine Bibel für Apple-Jünger geworden, es ist ein nüchternes Buch, detailgenau und abwägend. Ein komplexes Portrait eines Unternehmers, der gleichzeitig auch Ingenieur und Künstler war, und sich von niemandem in seinem visionären Eifer stoppen lassen wollte.“
Bayern 2 Kulturwelt (28.10.2011)

„Die Lektüre ist ein Gewinn. Das Buch bietet einen detaillierten und spannenden Einblick in das Leben und Denken eine großen Unternehmers.“
Financial Times Deutschland, Felix Haas (02.11.2011)

„Requiem für ein Genie – Isaacson zeichnet ein lebendiges Bild eines faszinierenden Menschen mit einer komplexen Persönlichkeit.“
Handelsblatt (28.10.2011)

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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3 Antworten

  1. Es ist gut, wenn in einer Biographie der Beschriebene nicht wie ein Heiliger dargestellt wird. Das wird immer nur einem Teil des Menschen gerecht und hat einen faden Beigeschmack.
    Und auch so bei Jobs. Das der auch mal tobte wie ein Berserker und Schwächen in der sozialen Kompetenz hatte, macht ihn mir nur noch sympathischer.
    Denn was wollte ich zu seinen Lebzeiten von ihm? Mich über den Sinn des Lebens unterhalten oder besser telefonieren und iPaden? Letzteres natürlich. Und dafür ist das Genie Steve Jobs eine Persönlichkeit gewesen, dessen Tragweite auch nach seinem Tod noch nachwirkt.

    Wenn in der heutigen Tagespresse schon vom Niedergang der Apple-Verkaufszahlen in 2012 spekuliert wird, sage ich nur: Auch wenn Steve Jobs leibhaftig nicht mehr unter uns ist, so ist seine Energie und Matrix noch allgegenwärtig. Und dazu möge sich Samsung warm anziehen.

  2. Gianna sagt:

    Ein wundervoller Artikel von dir!! Ich hab Tränen in den Augen.

    Steve Jobs – ein grandioser Mann!!!

  1. 26. Januar 2012

    […] Schulbuchmarkt revolutionieren. Das verdeutlichte er schon in seiner Biographie, geschrieben von Walter Isaacson. Für Apple Freunde übrigens ein absolutes “Muss” zu lesen. Steve Jobs hat sich schon […]

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