Eröffnung Open Books 2011 in Frankfurt

20111012-134736.jpgGestern Abend war sie Eröffnung von Open Books, der literarische Veranstaltungsreigen zur Frankfurter Buchmesse, der bewusst nicht auf dem Messegelände stattfindet, sondern an verschiedenen Örtlichkeiten der Hessenmetropole zelebriert wird. Eröffnet wurde Open Books in diesem Jahr gemeinsam mit dem Blauen Sofa im Schauspiel Frankfurt. Das blaue Sofa präsentiert bereits schon seit 1999 Autoren und deren Bücher auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig, zu sehen sind die berühmten Interviews des blauen Möbelstücks jeweils live auf den Buchmessen oder auch im Fernsehen im ZDFinfokanal.

Begrüßt wurden die Zuschauer der Open Books Eröffnung von Professor Dr. Felix Semmelroth, dem Kulturdezernenten der Stadt Frankfurt am Main. Gäste waren Eugen Ruge, Steinunn Sigurdardóttir, Vera von Lehndorff, Janne Teller und Boualem Sansal. Auf dem blauen Sofa moderierten u.a. Wolfgang Herles, Barbara und Alf Mentzer.

Zunächst nahm Eugen Ruge auf dem blauen Sofa Platz, dem kurz zuvor der Deutsche Buchpreis 2011 für sein DDR-Familienepos „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ verliehen wurde. Der Moderator sprach Herrn Ruge darauf an, dass sein Roman mehrfach mit den Buddenbrooks von Thomas Mann verglichen wurde. Ruges Kommentar: „Peinlich ist es mir nicht!“. Seinen DDR-Familienepos bezeichnete er selbst als Wenderoman ohne Wende. Er liess darin bewusst politische Ereignisse aus, liess Lücken, damit der Leser sie ausfüllt, wie er sagte.

Ruge: „Als ich anfing zu schreiben, dachte ich, kein Schwein wird sich dafür interessieren!“

Danach wurde das Buch „Der gute Liebhaber“ von Steinunn Sigurdardóttir vorgestellt, eine der bedeutendsten Vertreterinnen der isländischen Gegenwartsliteratur. In diesem Roman geht es um Karl und seine seine Jugendliebe Una, die er seit siebzehn Jahren nicht mehr gesehen hat, sie abernie vergessen konnte. „Was ist ein guter Liebhaber?“ war die erste Frage, die der sympatischen, isländischen Autorin gestellt wurde und sie antwortete schlagfertig (in wirklich guten Deutsch): „Wer das wissen möchte sollte versuchen mein Buch zu lesen. Oder sich in Italien erkundigen.“

Sigurdardóttir: „Ich liebe es mich zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit zu bewegen.“

Weiterhin wies die Moderatorin des blauen Sofas darauf hin, dass es ihr gelungen sei in diesem Roman einmal eine gelingende Liebe zu erschaffen – „Man muss sich auch etwas leisten können!“, entgegnete Sigurdardóttir daraufhin. Zum verschluss verriet sie den Zschauern noch ein Geheimnis: in zwei Monaten kommt ein zweiter Roman von ihr in deutscher Übersetzung auf den Markt, eine Geschichte, die  in Berlin spielt!

Auch die Exzentrikerin Vera Lehndorff nahm auf dem blauen Sofa Platz. Einst als „schönste Frau der Welt“ bezeichnet, stellte sie ihre Autobiografie vor. Gekommen war sie in einem blauen Kittel mit einem großen, unübersehbaren Visier, das ihr das Gesicht verdeckte. Sie erntete vom Publikum neugierige Blicke und der Moderator sprach sie auf ihr außergewöhnliches Outfit an. Sie erklärte: „Ich möchte mich den Medien nicht ausliefern, immer dieses sich zeigen müssen, das empfinde ich schon immer als etwas sehr Unangenehmes.“. Die Begeisterung des Publikums hielt sich bei der Vorstellung ihres Buches allerdings ein wenig in Grenzen, es sprach eben eine echte Exzentrikerin. „Konnten sie mit dem Schreiben des Buches eigene Wunden heilen?“, fragte der Moderator und bezog sich dabei auf ihre schwierige Kindheitsgeschichte. Vera Lehndorff antwortete: „Meine Wunden sind eigentlich weg, dank meines Lebens. […] Weil ich jetzt auf mich höre. […] Ich fühle mich jetzt besser als ich mich je in meinem Leben gefühlt habe.“

Zuletzt präsentierten noch Janne Teller und Boualem Sansal ihre Werke. Anspruchsvolle Themen, die zu später Stunde schwer verdaulich waren.

Mein Fazit: ich werde auf jeden Fall Steinunn Sigurdardóttirs Roman „Der gute Liebhaber“ lesen. Nicht nur die Story klang sehr vielversprechend, auch die Person Steinunn Sigurdardóttir schaffte es mich zu begeistern. Auch Eugen Ruges Familienepos hat mich neugierig gemacht und so steht auch In „Zeiten des abnehmenden Lichts“ bereits auf meiner Bücherliste.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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