Wie verändert uns das Internet? Nebenwirkungen des Web 2.0

Internet (Foto: jgoge/Flickr)

Internet (Foto: jgoge/Flickr)

Immer mehr Menschen nutzen privat als auch geschäftlich das World Wide Web. Im März 2011 waren laut einer Statistik des Marktforschungsinstituts ComScore 363,7 Millionen Europäer durch- schnittlich 26 Stunden pro Person online. Was nicht sonderlich überrascht: vor allem Google und Facebook werden von den Internetusern genutzt, beide sind absolute Spitzenreiter bezüglich der Besucherzahlen.

Aber was bedeutet die vermehrte Onlinezeit für uns Menschen? Verändert sie unser Verhalten? Welche Nebenwirkungen hat Internetsurfen?

Besonders unser Umgang mit Informationen verändert sich durch das Web. Internetuser strengen sich mental viel weniger an, denn sie wissen, dass sie jegliche Informationen jederzeit in wenigen Minuten über das Internet abrufen können. Wie häufig hört man im Alttag inzwischen den Satz: „Googel das doch mal schnell!“ oder „Ich schau mal schnell im Internet nach!“. Weshalb sollte man sich da noch viel merken? Und durch Tablets und Smartphones wird der Internetzugriff noch viel leichter, denn diese ermöglichen es uns auch von unterwegs online zu gehen. Das Internet wird so zu einem gewaltigen externen Gedächtnis der Menschheit. Ein Nachteil? Das denke ich nicht.

Und auch unser Umgang mit den Medien verändert sich. Durch die große Informationsflut im Internet müssen wir Medienkompetenz beweisen. Welchen Quellen vertraue ich im Netz? Welche News-Portale lese ich? Wieviel News konsumiere ich über soziale Netzwerke, wie Facebook, Twitter oder Blogs? Wo und in welcher Form gebe ich meine Meinung zu einem bestimmten  Thema ab? Und wie gehe ich mit der Flut an Informationen um? Sicherlich kann man festhalten, dass die Informationsflut anstrengend ist und häufig auch zu Stress führt. Zum einen belasten viele Menschen die zahlreichen E-Mails, die täglich in unserem Posteingang landen. Aber auch die vielen Artikel und Informationen, die über einen RSS-Reader oder die Newsseite von Facebook & Co. hineintrudeln können einen schnell überfordern. Die Folge: die meisten Internetuser lesen ungern lange Texte und bevorzugen kurze und knappe Informationshappen. Ist dies ein Nachteil des Web 2.0? Nun ja, manche Themen verlangen einen ausführlicheren Text. Der Trend hin zu kurzen Texten macht uns sicherlich ein wenig oberflächlicher. Wir müssen deshalb unbedingt lernen die Informationsflut besser zu bewältigen! Die Lösung: wir müssen lernen uns am Computer/Tablet/Smartphone besser zu organisieren und Informationen besser zu filtern und wir müssen lernen auch beim Surfen Prioritäten zu setzen und uns wieder mehr auf einzelne, wichtige oder interessante Themen zu konzentrieren..

Durch das Surfen im Netz wird natürlich auch unser soziales Leben verändert. Die modernen Kommunikationsmöglichkeiten, wie E-Mail, Online-Nachrichten und Chats, verändern die Art, wie wir miteinander sprechen. Wir tauschen uns auf diese Art vielleicht schneller und häufiger aus als außerhalb des Internets und dieser Austausch ist natürlich auch anonymer als ein Gespräch unter vier Augen. Sehe ich in dieser Entwicklung einen Nachteil: nein, denn ich bin fest davon überzeugt, dass die meisten Nutzer von sozialen Netzwerken nicht weniger persönliche Gespräche im realen Leben führen als sie es vor der Zeit von Facebook getan haben. Und ich habe auch nicht die Erfahrung gemacht, dass Facebook-Mitglieder nur noch vor dem Computer sitzen und sich nicht mehr mit Menschen außerhalb des Webs verabreden, um Zeit miteinander zu verbringen.

Surfen im WWW (Foto: Ed Yourdon/Flickr)

Surfen im WWW (Foto: Ed Yourdon/Flickr)

Die sozialen Netzwerke erlauben uns zudem einen einfachen Austausch mit Familie, Freunden und Bekannten, der vorher so nicht möglich war. An dieser Stelle kritisieren viele Skeptiker, dass die Menschen mit denen man über Facebook befreundet ist, zum Großteil keine echten Freunde sind. Das möchte ich keineswegs bestreiten, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Wir können uns dank des Internets kinderleicht mit Menschen rund um den Globus austauschen, neue Kontakte knüpfen und alte Kontakte wieder aufleben lassen. Und wir können uns per Knopfdruck einen aktuellen Überblick von einen Menschen aus unserem Umkreis verschaffen, vorausgesetzt dieser nutzt das soziale Netzwerk und veröffentlicht regelmässig Statusmeldungen, Fotos, Videos und andere Informationen über sich. Netzwerken und Kontaktpflege war noch nie so einfach! Hier sehe ich nur zwei Probleme: der Schutz der Privatsphäre und der Datenschutz. Noch immer erkennen viel zu wenig Internetsurfer, wie viel sie von sich preisgeben. Das kann zu bösen Überraschungen führen, wenn dann eine andere Person persönliche Informationen über das soziale Netzwerk erhält, die diese gar nicht sehen sollte. Aber auch ein Datenschutzproblem besteht. Denn soziale Netzwerke gehen keineswegs sorgsam und verantwortlich mit den persönlichen Daten Ihrer Mitglieder um. Hinsichtlich Datenschutz muss im Internet noch viel passieren, besonders soziale Netzwerke müssen in Zukunft einen besserer Umgang mit Nutzerdaten gewährleisten.

Mein Fazit: Ja, das Internet verändert uns! Wir nutzen es als externes Gedächtnis und ständig verfügbaren Informationspool und müssen uns deshalb weniger merken. Wir nutzen das Web zur Kommunikation und zur Kontaktpflege in einer Form, wie es vorher nie möglich war. Wir werden zu Medienprofis und entscheiden selbst welche Informationen wir wann und von wem lesen. Die Informationsflut ist zwar nicht immer leicht zu bewältigen, aber damit richtig umzugehen kann man lernen!

Alles in allem sehe ich im Internet wesentlich mehr Vorteile als Nachteile. Das World Wide Web hat ein enormes Potential, das wir noch immer nicht voll ausgeschöpft haben. Es birgt natürlich auch seine Gefahren, wie beispielsweise der leichte Zugang zu bedenklichen Inhalten, aber diese stehen in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, die uns dieses Medium bietet. Ich bin sehr gespannt, wie sehr sich unsere Welt, unser Alltag und auch wir uns in den nächsten Jahren noch verändern werden – und das Internet wird dabei garantiert eine große Rolle spielen.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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1 Antwort

  1. Wolfram sagt:

    Bei mir hat sich das erst mit dem iPad so richtig verändert. Inzwischen bin ich manchmal zu aktiv und bestärkt durch nette Kontakte auf der Suche nach mehr davon. Welche Informationen sind dann aber wirklich wichtig. Hat man wirklich einen Mehrwert oder ist das mehr an Informationen nur Zeitverschwendung? Klar ist Wikipedia so sehr viel umfassender und einfacher zu bedienen als ein Brockhaus im Bücherschrank. Besonders mit Kindern ein Segen, wenn man ihren Wissendurst stillen kann. Aber hier ist eben die viel genannte Medienkompetenz und damit eben Lebenskompetenz so immanent wichtig. Diese wird man aber eben nicht durch den Einsatz von Computern im Kindergarten erreichen. Wie bei vielen Dingen ist eine ausgewogenen Nutzung sicherlich der Weg.

    Gruß
    Wolfram

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