Re:publica 2014 Tag 2 – ein Resumee

Der zweite Tag der re:publica 2014 startet sommerlich entspannt. Auf dem Hof der Station wird am morgen Kaffee getrunken und sich unterhalten. Um 10 Uhr starten dann die ersten Sessions. Die Massen bewegen sich langsam ins Innere des Gebäudes und nehmen die Plätze ein.

Auch heute berichte ich Euch wieder von meinen Eindrücken und den Sessions, die ich besucht habe. Es war, wie auch gestern schon, ein spannender, eindrucksreicher, kommunikativer und lehrreicher Tag. Ob Nerd oder Otto-Normal-Websurfer: einen Besuch auf Europas größter Internetkonferenz kann ich jedem nur ans Herz legen.

Schützt Eure Smartphones!

Die erste Session am morgen, die ich besuchte, nannte sich „On our fear and apathy towards smartphones attacks“. Hier widmeten sich Linus Neumann (Hacker, Blogger, Podcaster, einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs und Diplom-Psychologe) und Ben Schlabs (Physiker und IT-Sicherheitsexperte) dem Thema Sicherheit von Smartphones. Oft unterschätzen wir, wie viele private Daten sich auf unseren Smartphones befinden. Neben Fotos, Kontaktdaten und privaten Messages befinden sich auch die Zugänge zu vielen Accounts auf unseren Handys. Wird das Smartphone geklaut, wäre es mehr als unangenehm diese Daten in den Händen eines fremden zu wissen. Doch schon die erste Hürde nehmen Diebe mit Leichtigkeit, denn nur die wenigsten haben Ihr Smartphone mit einem ausreichenden Passwort gegen Zugriff geschützt. Und wenn doch ein Passwort eingegeben werden muss, um Zugriff auf iPhone & Co. zu erhalten, dann sind es meistens vierstellige Pins, die in wenigen Minuten oder Stunden geknackt werden können. Was habe ich aus der Session gelernt? Smartphones müssen mit einem guten und nicht zu kurzen und keinesfalls zu einfachen Passwort geschützt werden. Fingerabdruck-Sperren sind alles andere als ein sicherer Schutz und lassen sich mit ein wenig Holzleim und anderen Hilfsmitteln schnell umgehen. Und beim Downloaden von gecrackten Apps ist absolute Vorsicht geboten – hier schlummert gefährliche Malware! Toller Vortrag, der mehr Zeit und weiterführende Infos gut vertragen hätte.

Über die ethischen Grenzen von Big Data

Der folgende Beitrag zu den ethischen Grenzen von Big Data war eines der Highlights des heutigen Tages. Viktor Mayer-Schönberger (Jurist, Hochschullehrer und Autor) thematisierte eindrucksvoll die gesellschaftlichen Folgen der Nutzung von Big Data. Eines der Hauptprobleme, das seiner Meinung nach viel zu wenig diskutiert wird, zeigt sich darin, dass Bürger auf der Basis von gesammelten Daten und Algorithmen verurteilt und eine Schublade gesteckt werden. Sämtliche Daten eines Menschen, die gesammelt werden und die weit in die Vergangenheit reichen, werden genutzt, um Prognosen zu generieren. Wenn ein Mensch aufgrund dieser Daten kategorisiert und anders behandelt wird, ist das ein großes Problem für unsere Gesellschaft. Was passiert, wenn Bürger aufgrund der Daten, die über sie gespeichert und ausgewertet wurden, z.B. als potentielle Kriminelle eingestuft werden? Rechtfertigt das eine Vorverurteilung und Bestrafung, in Form von Personenüberwachung oder anderer Maßnahmen? Ist es richtig, dass Menschen, die aufgrund der Daten, die über sie gespeichert und ausgewertet wurden, als schlechte Autofahrer eingestuft werden und deshalb keinen Führerschein bekommen dürfen oder höhere Kfz-Versicherungen zahlen müssen? Ist eine solche Vorverurteilung und Bestrafung für eine (noch) nicht begangene, nur wahrscheinlich eintretende Tat richtig? Oder ist dieser Umgang mit Big Data nicht vielmehr eine gefährliche Entwicklung, die wir stoppen müssen? Prognosen, Kategorisierungen und Vorverurteilungen von Menschen auf Grundlage von Big Data haben längst begonnen und sie widersprechen jeglichen ethischen Grundsätzen. Es wird Zeit, dass wir als Gesellschaft über diese Auswirkungen nachdenken und Regeln und Gesetze entwickeln, die diese negativen Nebenwirkungen der Nutzung von Big Data verhindern.

Lohnt sich Onlinejournalismus noch?

Sascha Pallenberg, Richard Gutjahr, Claudia Heydolph und Philip Banse haben gemeinsam über den Onlinejournalismus und die Monetarisierung von Blogs, Online-Magazinen und anderen Medienseiten im Netz diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass es im Jahre 2014 wesentlich schwerer ist als noch vor ein paar Jahren eine neue journalistische Webseite aufzubauen, sie organisch wachsen zu lassen und mit ihr in einer überschaubaren Zeit erfolgreich zu werden. Die großen deutschen Medienunternehmen haben sich viel von den Bloggern abgeschaut, sprechen die Interrnet-User inzwischen wesentlich besser an und haben ihre Angebote professionell im Netz positioniert. Das macht es Bloggern und Nachwuchs-Journalisten im WWW nicht leichter.

Besonders interessant war ein neues Wordpress-Plugin, das Richard Gutjahr vorstellte: LaterPay. Das macht es möglich die Leser für ausgewählte Inhalte bezahlen zu lassen; kleine Beträge, schnell, ohne viele Klicks und Anmeldemasken. Gutjahr präsentierte erste Ergebnisse, nachdem er das Plugin (derzeit noch Beta-Version) getestet hatte. Funktioniert ein solches Plugin und sind Leser bereit für Online-Artikel und Bonusmaterial Geld zu bezahlen? Das neue Plugin ermöglicht Micropayment-Verkäufe ab fünf Cent; Beträge, die die meisten Leser sicher gerne bereit wären zu zahlen, oder etwa nicht? Während Richard Gutjahr an die Idee und das neue Plugin glaubt, bleibt Sascha Pallenberg skeptisch. Und auch Claudia Heydolph bezweifelt, dass die jüngere Generation bereit ist für journalistischen Content im Internet Geld auszugeben. Paywalls mit Zwang zu einem Abo einer gesamten Onlinezeitung sind auf jeden Fall keine funktionierende und zeitgemäße Lösung für die Monetarisierung, da sind sich alle einig. Und auch Flattr hat sich in den letzten Jahren nicht etablieren können. Es bleibt also spannend, wie journalistische Webangebote sich in Zukunft finanzieren werden ohne die Leser dabei zu verlieren!

YouTube-Stars auf de re:publica

Auch dieses Jahr lud Johnny Haeussler, Mitbegründer der re:publica, wieder verschiedene youTube-Stars zu einer Gesprächsrunde ein. Diesmal mit dabei waren LeFloid, Fraeulein Chaos und MrTrashpack. Ich sage nur eins: ich habe mich als Bloggerin völlig oldschool und altbacken gefühlt! *lach* Und zu wissen, dass LeFloid 1,8 Millionen (!!!) Abonnenten hat, lässt mich vor ihm nur den Hut ziehen. Eine tolle Session, die mir Lust auf Vbloggen und youTube gemacht hat.

 

Weitere Resümees:

Tag 1 | Tag 3
 

Zu den Videos und Fotos:

re:publica 2014 – re:member | Video-Zusammenschnitt & Fotos
 
 

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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1 Antwort

  1. 8. Mai 2014

    […] II Frisch gebloggt: Re:publica 2014 Tag 2 – ein Resumee: Ja ja, die re:publica ist keine Blogger-Konferenz mehr und war es vielleicht auch nie. Schon […]