Post privacy – werden wir zum gläsernen Menschen?

Internet 6 53

“Hi Jim! Wie geht’s?” “Liest Du denn nicht meine Feeds?”

Wie ist es mit unserer Privatsphäre im Zeitalter des Internets bestellt? Ist es heutzutage überhaupt noch möglich private Informationen zurückzuhalten und zu schützen? Werden wir mehr und mehr zum gläsernen Menschen und verlieren die Kontrolle darüber, was wir über uns preisgeben wollen und was nicht?

Datenkraken

Nicht immer geben Internet-Nutzer bewusst Informationen über sich frei. Schließlich sammeln große Internet-Firmen auch Daten von Menschen, die nicht einmal ahnen, dass sie im Intenet Datenspuren hinterlassen. So sammelt Facebook zum Beispiel auch Informationen von Menschen, die sich in dem sozialen Netzwerk gar nicht als Mitglied angemeldet haben. Es reicht vollkommen aus, wenn der Name eines Menschen im Adressbuch eines der Facebook-Mitglieder auftaucht; prompt wird über ihn oder sie eine “Akte” auf den Facebook-Servern angelegt.

Aber auch Onlineshops und Suchmaschinen wie Google sammeln fleißig Informationen über die Internetnutzer. So speichern viele großen Webseiten beispielsweise die aufgerufenen Seiten ihrer Besucher, sowie deren eingegebene Suchbegriffe, um daraus ein Profil zu erstellen, aus dem hervorgeht, welche Vorlieben und Interessen der oder die BesucherIn hat. Warum Seitenbetreiber so etwas tun? Ganz einfach: auf diesem Weg lässt sich Werbung individualisieren und der Profit erhöhen. Eine gewinnbringende Maßnahme für die Internet-Unternehmen, keine Frage, aber was ist mit den Menschen? Welche Informationen haben die Internet-Unternehmen bereits von uns gesammelt, die wir nicht freigeben wollten? Und welche Informationen sind frei im Internet über uns zu finden, die besser geheim geblieben wären?

Post Privacy – lasst endlich Eure Masken fallen!

Eine Zukunft als gläserner Mensch? Die Idee der “Postprivacy”, dem Ende der Privatheit, ist nicht für jeden eine Horror-Vision. Es gibt eine Vielzahl an Menschen, die glauben, dass dieser Zustand unsere Gesellschaft besser und ehrlicher machen könnte.

Stellt Euch eine Welt vor, in der jeder alles über sein Gegenüber weiß. Du triffst einen Menschen und Dein Smartphone verrät Dir Name, Geburtsdatum, Herkunft, Wohnort, Beziehungsstatus, Beruf, Gehalt, Kontostand, Krankheitsgeschichte, sexuelle Vorlieben und alles über den Freundeskreis Deines Gegenübers. Lügen, Angeberei und Intoleranz würden in einer solchen Welt wahrscheinlich kaum noch Platz finden. “Wer selbst im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen”, heißt es im Volksmund. Und laut Bibel forderte Jesus einst auf: “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein” (Johannes 8,1-11; Römer 3,23.24). Wer wird es wagen, auf andere mit dem Finger zu zeigen, wenn die eigenen Unzulänglichkeiten jedem bekannt sind?

“Ein Zeitalter der Transparenz muss ein Zeitalter des Vergebens sein.” (David Weinberger)

 

 

Informationelle Selbstbestimmung

Sind Privatsphäre und Datenschutz ein Auslaufmodell? Wird die moderne Gesellschaft zukünftig den gläsernen Menschen aus uns machen? Und wird das tatsächlich dazu führen, dass wir toleranter und friedlicher miteinander umgehen?

Wenn ich mir vorstelle, dass ich in meinem Leben nie hätte selbst bestimmen können, wann und wen ich bestimmte Informationen über mich preisgebe, dann ist das alles andere als ein angenehmer Gedanke. Schließlich braucht es häufig Zeit, ein Erlebnis oder eine Selbsterkenntnis selbst zu verarbeiten, bevor der Mensch die Kraft hat, sich jemanden anzuvertrauen und zu öffnen. Ich möchte selbst bestimmen können, wann ich wen etwas von mir preisgebe, um der Reaktion meines Gegenübers auch gewachsen zu sein. Und es gibt nun einmal auch Dinge, die gehen bestimmte Menschen einfach nichts an! Ich möchte nicht, dass jeder alles über mich weiß. Und ich möchte auch nicht alles über meine Mitmenschen wissen.

Status quo

Ist es aufgrund des Internets heutzutage wirklich nicht mehr möglich, private Informationen vor dem Veröffentlichen im World Wide Web zu schützen? Wird uns das “böse” Internet verschlingen und uns gegen unseren Willen vor der Öffentlichkeit bloßstellen?

Zunächst einmal: die meisten Informationen über uns selbst tragen wir selbst ins Internet. Wer weiß, wie das Internet funktioniert, kann selbst bestimmen, wieviel er selbst von sich selbst preisgibt. Es ist für unsere heute Gesellschaft demnach wichtig geworden, sich ausreichend Medienkompetenz anzueignen. Facebook-Profile lassen sich so einrichten, dass nicht jeder im Netz lesen kann, was dort veröffentlicht wird. Und mit Hilfe von Plugins und entsprechender Software ist es auch möglich anonym im Netz zu surfen.

Selbst-Portraits für das Internet (vidrio/Flickr)

Dann gibt es natürlich noch den Freundes- und Bekanntenkreis, der eine Gefahr für private Informationen darstellt. Es ist natürlich möglich, dass andere Personen Informationen über einen selbst ins Internet stellen. Das lässt sich zum Größenteil aber dadurch verhindern, dass man dieses Thema offen anspricht und ganz klar äußert, dass man das nicht möchte. Mein Freundes- und Bekanntenkreis weiß ganz genau, dass ich um Erlaubnis gefragt werden möchte, bevor private Fotos o.ä. von mir auf Facebook & Co. geteilt werden.

Zuletzt bleibt das Risiko des Missbrauchs. Natürlich können andere Personen gegen meinen Willen Texte über mich und Bilder von mir veröffentlichen. Sie können mich im schlimmsten Fall sogar verleumden und mich im Internet bloßstellen und mobben. Das ist allerdings strafbar. Und in einem solchen Fall, sollte man zunächst mit den Verantwortlichen reden und sie bitten, die Bilder und/oder Texte zu entfernen. Führt das nicht zum Erfolg, ist es möglich, den Seitenbetreiber der Webseite anzuschreiben und den Missbrauch zu melden, damit dieser die Bilder und Texte entfernt. Zuletzt besteht noch die Möglichkeit, bei der Polizei Anzeige zu erstatten.

Ich selbst halte mich an zwei goldene Regeln, im Umgang mit dem Internet und privaten Informationen:

  • Veröffentliche nur das über Dich im Internet, was Dich nicht schocken würde, in einer Zeitung über Dich zu lesen.
  • Veröffentliche nur Bilder und Texte über andere Personen, die Dir dafür ihr Einverständnis gegeben haben oder die Personen des öffentlichen Lebens sind.

Ich würde mich über Eure Kommentare und Meinungen zu dem Thema freuen!

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade “Privatsphäre – Fluch oder Segen?” des SCHIRN MAGAZINs teil.

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Über den Autor: / 

Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Ausgewanderte

6 Kommentare

  1. Phasenkasper 21. Januar 2013 um 14:15 -  Antworten

    Ein sehr schwieriges Thema und ich finde gut, dass du es mal ansprichst. Ich vermute, dass sich viele Leute einfach keine großen Gedanken machen. Wie du auch schon schreibt, jeder ist meisten selbst dafür verantwortlich was man über ihn im Internet finden.
    Seitdem ich mit dem Bloggen angefangen habe, ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich nicht mehr “anonym” im Internet unterwegs bin. Ich persönlich finde es nicht schlimm, das man diese Inhalte im Internet findet.
    Vermutlich wird es in Zukunft auch nicht besser und Dienste wollen immer mehr über uns wissen. Wir bezahlen mit unseren Daten und nicht mehr mit Geld.

  2. Andreas Schumann 26. Januar 2013 um 22:40 -  Antworten

    Aus meiner Sicht ist die Auflösung der Privatsphäre in der “Offlinewelt” bereits viel weiter fortgeschritten, als sie im Bereich INternet aktuell diskutiert wird.

    Unsere Daten werden aus allen Lebensphasen beginnend bereits vor der Geburt bis weit nach dem Tod in Datenbanken zu Profilen zusammengetragen und an interessierte Unternehmen verkauft. Datenlieferanten sind Verlage von Tageszeitungen genauso wie Telefongesellschaften, Versandhändler, Apotheken, Krankenversicherungen und und und.

    So werden wir in der Zukunft nicht umhin kommen, unsere bereits bestehenden rechte aktiv durchzusetzen und unseren “Datenlebenslauf” genauso wie den “herkömmlichen Lebenslauf” möglichst sauber zu halten. Dazu ist Vorsicht im täglichen Umgang mit persönlichen Informationen genauso gefordert, wie die Kontrolle der Unternehmen was sie über mich speichern und ggfs. diese Informationen löschen oder sperren zu lassen. Der Staat wird uns das nicht abnehmen.

    Ich habe mir erlaubt, Deinen Beitrag auf unserem Blog kurz vorzustellen und zu verlinken.

    • Katharina Kokoska 27. Januar 2013 um 11:04 -  Antworten

      :-) Danke! <3

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