Die guten Seiten des World Wide Web

Bild: Jónatas Luzia / Flickr / CC BY-SA 2.0

Oder: Wie das Internet Phobikern helfen kann

Wusstet Ihr, dass jeder siebte Europäer unter einer Phobie leidet? Ich muss zugeben, dass auch ich davon nicht ausgenommen bin, denn ich habe panische Angst vor Spinnen. Für kein Geld der Welt würde ich so einen ekelhaften Achtbeiner berühren und ich brauche auch immer einen Helden, der mich vor solch einem Tier rettet, wenn es sich in mein Zuhause eingeschlichen hat. Meine Angst vor Spinnen (Arachnophobie) ist definitiv mehr als Ekel, ich werde wirklich hysterisch, wenn mir so ein Tier zu nahe kommt. Lacht bitte nicht, aber ich schließe sogar die Augen, wenn Spinnen im Fernsehen gezeigt werden, weil ich ihren Anblick einfach nicht ertragen kann.

Mit einer Phobie leben

Nun lebt es sich mit meiner Spinnenphobie relativ gut. Es ist selten, dass sich eine Spinne bei mir in meinen vier Wänden blicken lässt und so erlebe ich nur selten Panikmomente, die mir das Leben schwer machen. Ganz anders sieht es mit anderen Phobien aus. So hat die Mutter eines Freundes beispielsweise fürchterliche Angst davor, das Haus zu verlassen. Sie leidet unter einer Agoraphobie (Platzangst) und verlässt ihre Wohnung nur in ganz extremen Notfällen. Das schränkt ihr Leben natürlich extrem ein und ich bin mir sicher, dass sie sehr unter dieser Phobie leidet. Und auch für ihre Angehörigen ist diese Angststörung eine Herausforderung. Denn wenn die Mutter oder Lebensgefährtin nicht mehr aus dem Haus will, müssen alle Angehörigen darunter leiden.

Das böse-gute Internet

In letzter Zeit wird viel über das Internet geschimpft. Von gefährlichen Filterblasen wird gesprochen, die unseren Blick auf die Realität trüben. Vor bösen Computerprogrammen namens „Social Bots“ werden wir gewarnt, die Falschmeldungen und Hassbotschaften in Facebook, Twitter und Co. verbreiten und somit unsere Meinungen manipulieren wollen. Es scheint, das Internet sei eine böse Welt, die nur Hass und Manipulation kennt. Dabei hat das Internet auch so viele wunderbare Seiten! Und anhand des Beispiels des Phobikers möchte ich Euch eine dieser positiven Seiten des Webs nun gerne zeigen.

Hilfe aus dem Web

Denkt an die Mutter meines Freundes, die sich aufgrund ihrer Platzangst (Agoraphobie) nicht mehr aus dem Haus traute. Der Weg zum Therapeuten schien für sie unmöglich und sie fühlte sich auch nicht wohl dabei, dass ihre Familie einen Therapeuten zu ihr nach Hause holen wollte. Niemand wusste, wie man ihr helfen sollte!

Der Weg zur Besserung ihrer Situation führte tatsächlich über das Internet. Zunächst einmal nutzte die Mutter meines Freundes das Netz dafür, um von zu Hause aus einzukaufen. Ob Supermarkt, Kleidung oder auch Ratgeber zu ihrer Angststörung – alles ließ sich bequem von daheim bestellen. Eine weitere große Hilfe für sie war ein Agoraphobie-Forum. Zu lesen, dass man nicht allein mit dieser Angst ist und sich mit Betroffenen auszutauschen, kann eine große Erleichterung sein und Mut machen, sich seinen Ängsten zu stellen und diese mit Hilfe eines Therapeuten zu überwinden.

Ängste sind weit verbreitet

Eine Umfrage des Verbraucherportals Gutscheinsammler zeigt, dass tatsächlich viele Phobiker das Internet und Onlineshops für sich nutzen. Am meisten Geld gaben die Befragten für diverse Lieferdienste aus, eine Taktik, um sozialen Kontakten aus dem Weg zu gehen (11 Prozent), dicht gefolgt von Schädlingsbekämpfung (10 Prozent) und Versicherungen (9 Prozent). Die positive Nachricht: Die Umfrage ergab auch, dass 45 Prozent der Befragten sich den eigenen Ängsten stellen und sie überwinden wollen. Das macht doch wirklich Mut!

Fazit

Das Internet ist, was wir daraus machen. Natürlich gibt es im Netz genau so viele schlechte und gute Menschen, wie auf unseren Straßen. Doch vor lauter Horror-Meldungen in denen das Internet zum Teufelswerkzeug gemacht wird, sollten wir die positiven Seiten des World Wide Web nicht vergessen. Am Beispiel des Phobikers wird deutlich, dass es eine große Hilfe für Betroffene sein kann, wenn diese das Internet nutzen können. Vom Online-Shopping, um das Haus nicht verlassen zu müssen, über das anonyme Bestellen von Ratgebern bis hin zum Austausch mit anderen Betroffenen über Foren bietet das Internet jede Menge wertvolle Hilfestellungen.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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