Anonymität im Netz

Anonym sufen (Foto. zmfg!/Flickr)

Anonym sufen (Foto. zmfg!/Flickr)

Möchte ich im Internet unter meinem echten Namen auftreten oder lieber einen Nickname benutzen?

Ist es besser keinerlei Fotos von mir hochzuladen, sollte ich lieber nur ein einziges seriöses Bild von mir in einem Business-Netzwerk wie XING veröffentlichen oder ist das alles Quatsch und ich sollte voller Spaß und Freude auch andere Fotos von meiner Person im Netz präsentieren?

Welche persönlichen Dinge verrate ich über mich? Über meine Hobbys zu sprechen empfinde ich für unbedenklich (schließlich sind Fotografieren, Lesen und Websurfen keine Interessen, die für Aufsehen sorgen könnten), aber möchte ich wirklich, dass jeder x-beliebige Internetnutzer mit wenigen Klicks herausfinden kann, ob ich Single bin, wo ich wohne und wie meine beste Freundin heißt?

Wie viele Informationen möchte ich über mich im Internet preisgeben? Und könnte ich mich denn überhaupt vollkommen anonym im Web bewegen, wenn ich das wollte?

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte vor knapp einer Woche in einem „Spiegel“-Interview  anlässlich der Anschläge in Norwegen ein Ende der Anonymität im Internet.

„Das Internet stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Die Grundsätze unserer Rechtsordnung müssen auch im Netz gelten. In der demokratischen Auseinandersetzung streiten wir mit offenem Visier auf Basis unserer verfassungsmäßigen Spielregeln. Warum sollte das im Internet anders sein?“

Doch Friedrich ist inzwischen zurückgerudert. Eine Ministeriumssprecherin erklärte, dass Friedrichs Äußerungen im Interview nur „ein Appell an die Zivilgesellschaft“ gewesen seien. Friedrich ist anscheinend bewusst, dass Anonymität im Netz in einzelnen Segmenten sinnvoll und auch erwünscht sei, wie beispielsweise bei Selbsthilfe-Angeboten in entsprechenden Internet-Foren.

Doch nicht nur Friedrich wünscht sich das Auftreten unter Realnamen im Netz. Auch die größten Sozialen Netzwerke, Facebook und Google+, verlangen bei der Erstellung von Profilen Klarnamen und begründen ihre Forderung damit, dass dies der Bekämpfung von Spam diene und gefälschten Profilen vorbeuge. Und tatsächlich melden sich auch die meisten Facebook- und Google+-Mitglieder mit ihrem echten Namen an. Wie sollten sie sonst auch von ihren Freunden und Bekannten gefunden werden, wenn nicht unter ihrem echten Namen?

Immer mehr Profile gehen online – mit echten Namen und einer erstaunlich großen Menge an persönlichen Informationen. Bereitwillig füllen viele User die Angaben ihrer Facebook- oder Google+-Profile aus, verraten Geburtsdatum, Beziehungsstatus, Hobbys und Familienangehörigkeit. Und leider schützen nur wenige User diese privaten Informationen vor dem Blick von Fremden. Zugegeben, die Privatsphäre-Einstellungen – gerade von Facebook – sind wirklich nicht leicht zu finden und zu verstehen. Aber sind sich die Internetuser überhaupt im Klaren, weiche persönlichen Daten sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und welche Gefahr davon ausgeht?

Aber was bedeutet das für uns? Heißt das, dass die Ära der Anonymität im Netz nun vorbei ist? Tauchen wir nun alle mit unseren Realnamen in die digitale Welt ein? Sterben die Nicknames aus? Schrumpft unsere Privatsphäre, weil wir auf Facebook & Co. zu viel über uns verraten?

Eines ist sicherlich klar erkennbar: die Anzahl der Internetuser ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen und auch die Bereitschaft persönliche Daten im Netz freizugeben ist groß. Doch wir dürfen nicht vergessen:  die Veröffentlichung der privaten Daten in sozialen Netzwerken ist freiwillig! Denn jeder User entscheidet für sich selbst, ob er sich bei einem sozialen Netzwerk anmelden möchte und welche Informationen er über sich selbst der Öffentlichkeit preisgibt.

In der heutigen Zeit sollte sich jeder darüber bewusst sein, dass auch Arbeitgeber, Lehrer, Eltern, Presseleute, Einbrecher, Betrüger und viele andere Menschen das Internet nutzen und die dort gefundenen, persönlichen Daten, die sie über Facebook & Co. finden, für ihre eigenen Zwecke nutzen. Die Konsequenzen können schmerzhaft sein. Eine Abmahnung vom Chef ist vielleicht noch hinnehmbar, wenn einem aber die gesamte Wohnung ausgeraubt wird während man im Urlaub ist und das nur, weil man in Facebook einen Urlaubspost geschrieben hat, dann kann einem der Spaß am Web 2.0 schnell vergehen.

Anonym (Foto: Presleyjesus/Flickr)

Anonym (Foto: Presleyjesus/Flickr)

Doch wer nun auf Nicknames statt Realnamen setzt und versucht komplett anonym zu surfen, dem wird auch das nur schwer gelingen. Denn eine hundertprozentige Anonymität im Internet ist so gut wie nie gewährleistet. Das liegt zu aller erst daran, dass der Otto-Normal-Websurfer keine sogenannten „Anonymizer“ benutzt und somit über die IP-Adresse, mit der er das Internet betritt, ermittelt werden kann. Zwar kann nicht festgestellt werden, welche Person genau im Internet ihre Spuren hinterließ, aber der Internetanschluss, mit dem der Internetzugriff erfolgte, ist auf diesen Weg herauszufinden. In Deutschland ist es allerdings nur der Polizei erlaubt, diese Daten zu erfragen – und das auch nur, wenn dies einer Verfolgung von Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten dient.

Die andere Gefahr für die eigene Anonymität im Netz geht vom eigenen Freundes- und Bekanntenkreis aus. Veröffentlichen Familienangehörige, Arbeitskollegen, Freunde oder Bekannte Informationen über mich im Internet, und das ohne mein Einverständnis, ist dies in Deutschland zwar verboten, doch was einmal im Internet ist, kann leider nicht so schnell wieder entfernt werden. Und so kann es passieren, dass Max Mustermann glaubt sich komplett anonym im Netz zu bewegen, sogar verschiedene Nicknames hat und auch eine anonyme E-mail-Adresse besitzt, dann aber bei einem Freund auf der Facebook-Seite ein Foto von sich selbst von der letzten Geburtstagsfeier entdeckt. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, stehen darunter auch noch Kommentare, aus denen klar hervorgeht, dass er der Betrunkene in der Badewanne er ist: Max Mustermann, Sachbearbeiter der Firma XY aus Berlin.

Fazit: Social Networken macht Spaß und ich persönlich möchte darauf auch nicht verzichten. Allerdings habe ich mich mit den Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke auseinandergesetzt und diese auf meine Bedürfnisse angepasst. Und so kann ich steuern, welche Informationen in Facebook, Google+ & Co. für jeden sichtbar sind und welche Informationen nur mein Freundeskreis sehen kann. Dennoch weiß ich die Freiheit sehr zu schätzen auch einmal anonym meine Meinung sagen zu dürfen. Ich entscheide, wie viel ich von mir preisgebe und bin mir dessen bewusst. Natürlich weiß ich auch, dass ich nicht alles steuern kann. Und taucht tatsächlich mal ein Bild von mir bei Freunden auf, dann erkläre ich, weshalb es so wichtig ist vor dem Hochladen eines Bildes, auf denen andere Personen klar zu erkennen sind, diese vorher um ihr Einverständnis zu fragen.

Anonymität im Netz lässt sich nicht verbieten und darf auch nicht verboten werden – das würde unseren demokratischen Grundsätzen widersprechen. Der bessere Weg ist die Aufklärung der Internetnutzer über dieses Thema und ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten und persönlichen Informationen.

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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