Webworker: die Welt ist mein Büro

Webworker (CollegeDegrees360/Flickr)

Bild: CollegeDegrees360/Flickr

Ich bin Web Consultant. Ich berate klein- und mittelständische Unternehmen und entwickle gemeinsam mit ihnen eine Internet-Strategie. Das Besondere an meinem Job: ich kann überall auf der Welt arbeiten, wo ich einen Zugang zum Internet habe und meinen Computer nutzen kann. Das ist ein Vorteil, den ich sehr zu schätzen weiß und der mir ein unglaublich tolles Gefühl von Freiheit gibt. Ich bin ortsunabhängig und die Welt liegt mir zu Füßen.

Raus aus Deutschland, hinaus in die Welt

Mein Job und meine Ortsunabhängigkeit haben es mir vor elf Jahren ermöglicht meinen größten Traum zu verwirklichen. Ich bin nach Spanien ausgewandert, ein Land, das mich schon als kleines Mädchen fasziniert und begeistert hat. Doch so schön dieses Land und so herzlich die Menschen hier auch sind, die Wirtschaftskrise ist stark zu spüren. Eine hohe Arbeitslosigkeit, viele Firmeninsolvenzen und private Bankrotte lassen sich hier beobachten und im Freundes- und Bekanntenkreis miterleben.

Wäre ich auf Kundenaufträge in meiner unmittelbaren Umgebung angewiesen, hätte auch ich schwer zu kämpfen. Doch als Webworker bin ich zum Glück flexibler und erreiche potentielle Kunden aus den unterschiedlichen Ländern. Ich habe Kunden in Deutschland, der Schweiz, Österreich und den USA und nur ein kleiner Teil kommt aus Spanien, dem Land, in dem ich lebe. Das Internet und positive Mundpropaganda durch zufriedene Kundschaft sorgen dafür, dass ich stets neue Aufträge erhalte. Das ermöglicht mir ein Leben als Selbständige ohne große Existenzängste – an einem Ort, den ich liebe und der längst zu meinem Zuhause geworden ist.

Gran Canaria

Bild: Frisch-gebloggt.de

Auswandern hat auch Schattenseiten

Die Entscheidung Deutschland zu verlassen und nach Gran Canaria zu ziehen war die beste Entscheidung meines Lebens und ich würde mich immer wieder so entscheiden. Ich lebe im besten Klima der Welt, habe den Strand vor der Tür, stets schönes Wetter mit Sonnenschein und ich habe mir ein wunderbares soziales Umfeld aufgebaut. Und dennoch war und ist es nicht immer so schön und einfach, wie viele sich das Auswandern vorstellen. Ich musste Spanisch lernen, das ich zwar inzwischen sehr gut spreche, aber das mir nie eine Muttersprache sein wird. Ich stoße an sprachliche Grenzen und das behindert immer wieder die Kommunikation. Auch habe ich kein so starkes soziales Netz wie in Deutschland, das mich auffangen würde, wenn ich meine Arbeit nicht mehr ausführen könnte, schwer krank werden würde oder ähnliches.

Zudem wohne ich nicht einfach nur in Spanien, sondern auf einer Kanarischen Insel mitten im Atlantik. Das bringt weitere Nachteile mit sich. Der Flug nach Deutschland dauert 4,5 Stunden und ist nicht immer ein Schnäppchen. Wir haben hier auch wesentlich langsameres Internet als es beispielsweise deutsche Großstädter gewohnt sind. Und wenn mir eine deutsche Freundin einen Link schickt, weil ich hier mal schauen soll, was für tolle Klamotten man sich in dem einen oder anderen Onlineshop bestellen kann, dann stoße ich meistens auf das Problem, dass der Shop nicht auf die Kanarischen Inseln versendet. Ich lasse die Dinge, die ich auf der Insel nicht bekomme, dann meistens zu Freunden und Familie in Deutschland schicken und sie mir von ihnen beim nächsten Gran Canaria Urlaub mitbringen.

Wie alles im Leben hat auch das Auswandern seine Sonnen- und seine Schattenseiten. Und so sehr ich Gran Canaria und mein Leben hier auch liebe, glaube ich, dass man der Typ für ein solches Leben sein muss, um hier glücklich zu werden. Glücklich wird im Ausland, wer sich auf die Lebensweise und Mentalität der Menschen einlassen kann. Und auch ein guter und sicherer Job ist unabdingbar. Denn nichts sorgt für mehr Bauchschmerzen und Unglück, als echte Existenzprobleme. Da habe ich es als Webworker natürlich wesentlich leichter. Ich gehe in den unendlichen Weiten des Internets auf Kundensuche und weiß, wo ich auf meine Dienstleistung aufmerksam machen muss und an welchen Stellen im Netz ich potentielle Kunden antreffe. Und ich kann stets mit meinem Laptop unter dem Arm in den Flieger steigen ohne meinen Job aufgeben und zurücklassen zu müssen. Das macht mir das Leben auf Gran Canaria, knapp viertausend Kilometer von meiner Heimatstadt in Deutschland entfernt, eindeutig einfacher.

 

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Katharina Kokoska

Bloggerin von Frisch-gebloggt.de // iNerd // Bloggerin, Texterin, Web Consultant und Internet-Poweruser // Bücherwurm und leidenschaftliche Hobbyfotografin // Nach-Gran-Canaria-Ausgewanderte

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4 Antworten

  1. uruguru sagt:

    Wobei liebe Katharina Gran Canaria immer noch zu Spanien und somit zur EU gehört. So lange Du Dich also in der EU aufhälst genießt Du noch lange nicht die Freiheiten die man durch richtiges Auswandern, in die Ferne, erhält.
    Liebe Grüße aus Uruguay

    Peter

    • Lieber Peter, danke für Deinen Kommentar. Ganz ehrlich: Auswandern ist Auswandern, es gibt kein richtiges und weniger richtiges Auswandern. Man verlässt seine bekannte Umgebung, sein soziales Umfeld und startet in einem anderen Land ein neues Leben. Mit Sicherheit ist es noch einmal eine ganz andere Sache nach Uruguay zu ziehen, keine Frage. Aber glaube mir, auf die Kanaren auszuwandern ist nicht so easy wie viele sich das vorstellen. Es gibt Gründe warum so viele Auswanderer wieder zurück nach Deutschland gehen. Wie ich schon schrieb, ich glaube man muss einfach der Typ dafür sein, sich auf das Land, die Sprache und Kultur einstellen und dafür sorgen, dass man seinen Lebensunterhalt auch wirklich im Ausland bestreiten kann.

  2. Wolfgang sagt:

    Ich denke Uruguay kann auch nicht viel weiter von Deutschland weg sein, als die Kanarischen Inseln:
    Wo es ein Oktoberfest gibt, ist Deutschland. 😉
    http://www.oktoberfest.com.uy/

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